~~~* SUMMERTIME *~~~



Damn this traffic jam... (nach einem Song der „new york voices“

Das Chaos hat einen Namen: Delhi. Oder sollte ich besser sagen: Indien??? Wenn man den Aussagen meiner Schwester glauben darf, so wäre die zweite Variante die korrektere. Aber wie auch immer: sobald man den ersten Fuß vom Treppenabsatz auf die „Straße“ (die man oft gar nicht immer als solche überhaupt zu erkennen vermag...) setzt, ist man auch schon mittendrin. Und für mich, die ich gerade erst in Indien angekommen bin, bedeutet das zweifelsohne: ich befinde mich ab sofort in Lebensgefahr. Denn der Verkehr in Indien ist – zumindest was den Verkehr in indischen Städten betrifft – für uns ordnungsgewohnte Deutsche das schiere Chaos. Alles, aber auch wirklich alles begegnet einem. Und das aus allen Richtungen und in allerlei Formen: Menschen in allen Variationen (alt, jung, klein, groß, dick, dünn, mit oder ohne „Bauchladen“, Taschen, Rucksäcken, Babys, Hunden, etc.), Rikshaws (sowohl Auto-Rikshaws, als auch die traditionellen Fahrradrikshaws), Taxis, Fahrräder, Mopeds und Motorräder (letztere laut meiner Schwester die absolut Gefährlichsten, da sie keine Rücksicht auf Deine Füße nehmen und im Zweifelsfalle wohl eher drüber fahren als bremsen würden...). Man begegnet auch allerlei Getier, insbesondere wilden Hunden und – tja, wer das für ein Klischee gehalten hatte, wird hier ohne Zweifel eines Besseren belehrt – freilaufenden Kühen!!! Sie befinden sich einfach überall, meist aber dort, wo sie in der Nähe von irgendwelchen Fressbuden oder Marktständen in den Müllbergen etwas Essbares vermuten. Und meine Schwester erzählt mir gerne die story, dass ein Gemüsestandbesitzer zwar die Kühe immer verjagt, wenn sie an seinem Salat knabbern und die Touristen das zufällig sehen – dass er aber im weiteren Verlauf kein Problem damit hat, den angeknabberten Salat dennoch zu verkaufen... Für Deutschland schier unvorstellbar.

Und als wäre das alles nicht schon genug, wird man in all dem Chaos auch noch ständig von Indern angequatscht: seien es nun Bettler oder Kinder, die dein Geld wollen oder aber alle Sorten von „Verkäufern“ oder „Dienstleistern“, die für eine entsprechende Gegenleistung natürlich ebenfalls dein Geld wollen. Nicht, dass ich dafür kein Verständnis hätte, ganz im Gegenteil, es ist nur so, dass es mich innerhalb dieses Verkehrschaos einfach völlig überfordert hat.

Denn es wird ja noch mehr geboten: wer sich die gesamte Szenerie nach meinen bisherigen Beschreibungen so vorgestellt hat, füge nun noch in Gedanken einen gehörigen Lärmpegel hinzu, der aus allerlei bunten Geräuschen besteht: lauter – und natürlich unterschiedlicher! – Hindumucke aus diversen offenen Läden heraus, palavernde Inder, die in allen Tonlagen zuhause sind, Kinderrufe, Motorengeräusche und über allem ein ständiges und penetrantes Hupen. Überhaupt scheint die Hupe in Indien das mit Abstand wichtigste Utensil eines jeden Fahrzeugs zu sein. Als Europäer fragt man sich zwar, ob da noch irgendeiner überhaupt irgendetwas unterscheiden kann oder in all dem Tumult eine Ahnung hat, woher die Hupe gerade kam und für was und wem sie gegolten haben könnte, aber seis drum: ohne geht’s nicht.

Ja, und wenn man jetzt noch dem Ganzen ein gehöriges Tempo hinzufügt, dann kann man sich in etwa vorstellen, was ich gerade versucht habe zu schildern. Ach nein, ich revidiere: man kann es sich NICHT vorstellen, ganz ehrlich: man muß es erlebt haben!

Und bei alldem sich durch das Chaos zu bewegen und einer indien-erprobten Schwester zu folgen, die einem auch noch munter irgendwelche Stories erzählt und gar erwartet, dass man zuhören und vielleicht auch noch am Gespräch teilnehmen kann – das ist schier unglaublich. Ach so: das meinen sie alle mit „incredible India“. Kapiert.

Richtig lustig wird’s dann aber erst, wenn man sich auf die wirklich geteerten Hauptstraßen begibt (meine bisherige Schilderung bezog sich mehr so auf eine Nebenstraße, sozusagen wie in Deutschland eine Fußgängerzone, nur eben nicht nur für Fußgänger...;-))). Denn hier legt Indien noch einen Zahn zu: Auch LKW, Busse, allerlei Gefährte mit Anhängern kommen reihen sich hier noch ein- oder besser gesagt: schieben sich dazwischen, denn von einreihen kann natürlich in Indien keine Rede sein. Und natürlich gibt es KEINE Fußgängerüberwege. Macht auch nix. Man würde die Markierungen ohnehin nicht sehen, da sich ständig der Verkehr darauf befindet. Will man also die Straße überqueren, ist es gut, eine mittlerweile chaosresistente Schwester dabeizuhaben (möglicherweise eignen sich auch andere Verwandte dafür, dass muß dann jeder selber ausprobieren) und ihr zu folgen. „Am besten nicht rechts und links gucken“, meint sie, „einfach gehen – die halten schon an“ – Aha! Wirf einfach die Regeln, die du in deiner Kindheit erlernt hast, getrost über Bord, sonst kommst du in Indien nie über die Straße...So long, das kann ja eine heitere Woche werden...dachte ich mir. Und das wurde sie auch!

Eure Gastbloggerin: „Sista LeeZa“

 

 

 

nachtrag von baeggi: siehe dazu diesen link

 

 

8.4.08 23:36
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ährisch (9.4.08 20:42)
whata nica ! ausserordentlich lebendig geschildert muss ich sagen. ich hab den tune der strasse schon wieder in meinen ohren


Beate (Bechtolsheim) (10.4.08 22:18)
Hallo ihr zwei,
da kann man ja echt froh sein, dass ihr wieder gut hier angekommen seid.
Liebe Grüße
Beate


Grit (12.4.08 18:55)
ja ist echt gut geschildert und in dem chaos tauchen dann noch lkw´s auf, die hinten den hinweis drauf haben: BITTE HUPEN!!!!!!
ist echt kein witz - na ja mangels rückspiegel schon verständlich nur .......es hupt ja ständig - das ist in indien der witz.

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