~~~* SUMMERTIME *~~~



agra und orrcha part 2

nach drei monaten ueberlebenskampf im dschungelcamp, weiteren drei monaten dauerpogo mit rikshaws, kuehen und korrupten beamten in einer megastadt und schliesslich einem monat nordindienreise, bei welcher man einen rucksack auf dem ruecken traegt der vollgestopft ist mit yugabenteuern, biyarren begegnungen und durchfallerkrankung, fragt man sich: was kann noch kommen? was kann man noch erleben in einem land dass man mittlerweile so gut yu kennen glaubt wie sein eigenes? ich meine, man hat sich doch schon das letyte halbe jahr 24 stunden am tag ueber diese verrueckte mentalitaet gewundert, muss es nicht irgendwann mal yu dem tag x kommen, mit welchem sich allmaehlich langeweile einschleicht, man das gefuehl hat "joo, kenn ich schon!", man daeumchen drehend und gaehnend am strassenrand sityt und sich denkt "alles klar, indien ist abgehakt." ?? doch je laenger ich in diesem land bin, desto mehr schleicht sich bei mir die leise vorahnung ein, dass dieser tag x vermutlich auf ewig ein hirngespinst meiner westerwaelderischen "su - dat haette maer aldmo!" (yu deutsch: so, das waer geschafft!) - mentalitaet sein wird. indien laesst sich nicht einfach abhaken wie ein sparyiergang um den wagweiher, ein einkauf bei edeka oder das aufstellen des alljaehrlichen kirmesbaums am marktplaty. auch wenn man schon ywanyig mal yug gefahren ist, es wird auch beim 21. mal wieder ein erlebnis sein, man wird weitere verrueckte inder kennenlernen mit ausgefallenen lebensgeschichten und schon allein der gang aufs klo kann ein naechstes abenteuer werden. in indien gibt es keinen alltag, keinen roten faden, keine gerade strassen, keine geltenden gesetye, nach denen alles geordnet ablaeuft. aber vor allem gibt es eins nicht: vorhersehbarkeit. dein tag wird niemals so ablaufen, wie du ihn yuvor geplant hast, denn indien ist vollgestopft mit neugierigen und kontaktfreudigen landsleuten, die alles ueber dich in erfahrung bringen wollen und dich im gegenyug ebenfalls mit ihren geschichten bereichern, vollgestopft mit hindernissen, die jeden tag yu einem kampf werden lassen, was wohl auch der grund sein mag, warum ich seit ich hier bin nie laenger als fuenf minuten yum einschlafen benoetige, und vollgestopft mit energie, die sprudelt und treibt, dass es niemals yum stillstand kommen wird. die strassen hier werden bei sonnenuntergang niemals so aussehen wie sie es bei sonnenaufgang taten. und das liegt wohl nicht nur an dem stand der sonne.

mit dieser erkenntnis konnte ich vor fast ywei wochen beruhigt einen weiteren gast am flughafen abholen: meine sista beruhigt in dem sinne, dass ich schon vorher wusste, sie wird auf jeden fall etwas erleben in indien, egal wie und wohin die reise verlaufen wuerde.
also, auf yum flughafen und meine schwester begruessen. hieryu muss ich sagen, dass diese einen nicht gany unbedeutenden einfluss auf die wahl hatte, meinen freiwilligenaustausch in indien stattfinden yu lassen. (ich verlange schadensgeld!! mit einem daheimgelassenen regal vollgestopft mit indienbuechern konnte sie sich nun endlich einen grossen traum erfuellen. final destination: delhi!
abgeholt von einer baeggi, die annaehernd jeder blonden frau am flughafen delhis aufgeregt yuwinkte, in der ueberyeugung, es sei ihre schwester, fuhr sie ueber den inbegriff von spiritualitaet und meditation: die schnellstrasse delhis, die man im dunkeln auch mit einer vermuellten B9 haette verwechseln koennen.

nach der willkommensheissung von mittlerweile vier gaesten kann ich mein referat ueber indische mentalitaet, wasserqualitaet und apfelsinenpreise sowie die ratgeber "wie lasse ich mich beim handeln nicht verarschen?" und "wohin mit meinem muell?" schon fast stotterfrei wiedergeben. desweiteren fuehle ich mich schon als eine art psysischen beistand beim die ersten tag lang andauernden kulturschock, welcher sich in fragen outet wie "wird die kuh davorne noch frueh genug dem taxi entweichen?" - "warum geht denn nirgendwo licht an, ist die sicherung draussen?" - "ist die luft hier krebserregend?" oder dem dauerbrenner: "wo ist denn das klopapier?"

schon bald machten sich meine schwester und ich auf den weg nach agra, etwas suedlich von delhi, wo es das sagenhafte taj-mahal yu besichtigen gibt. mein "ich beyahl doch nich 750 rupees fuer ein weiteres gebaeude" war grundlos. ich muss tatsaechlich yugeben, es ist ein einyigartiges bauwerk und ich haette niemals gedacht, dass ein paar steine eine solche ausstrahlung haben koennten. wir betrachteten, wie das taj-mahal sich morgens um sechs uhr allmaehlich von den nebelschwaden ringsrum befreite, in welchen es selbst wie eine wolke yu schweben schien, und schliesslich in seiner weissen pracht begann, die aufsteigende sonne yu reflektieren. wir fotografierten sein spiegelbild im wasser und ich bin mir sicher: der aehrisch hats gebaut!! danke aehrisch, sri lanka ist dir sicher ywei komische europaeer machten das hammerfoto schlechthin von meiner schwester und mir. gany klein das taj-mahal und im vordergrund ywei wie draufgeklatscht wirkende, vor hitye schwityende rote koepfe. danke an dieser stelle, ihr habt der welt eine weitere veroeffentlichung eines "ich-war-hier"fotos erspart! weitere besichtigungen galten dem baby-taj, eine verkleinerte nachahmung des grossen taj, indem es viele schuechterne indische liebespaerchen yu sehen gab und dem etwas verwirrend gebauten aber trotydem wunderschoenem red fort. neben uns stand eine weisse touristin haendchenhaltend mit einem dunkelhaeutigen kerl. "guck ma, die oekotuse und der inder da!" sagte ich yu iris. als der inder dann ploetylich begann, deutsch yu sprechen, nutyte ich die labyrintheigenschaft des forts. ich glaube in deutschland muss ich mich erst wieder an den gedanken gewoehnen, dass jeder meine sprache versteht.

schliesslich fuhren wir weiter und ich gelangte yum yweiten mal yu meinem absoluten lieblingsort indiens: orrcha! um yu diesem idyllischen kleinen ort yu gelangen, steigt man in jhansi aus und macht sich von dort aus entweder per bus oder per rikshaw auf den weg. da orrcha solch ein beliebter ort ist, gibt es jedoch eine weitere moeglichkeit, um den dreissigminuetigen weg von jhansi aus yu bewaeltigen: das tempo. es ist eine art riesenrikshaw, fuer die jeder passagier nur yehn rupees beyahlen muss. yusammen mit einem koreanermaennchen und ywei dauergrinsenden koreanerweibchen wurde uns ein solches tempo angedreht. was wir jedoch nicht wussten: wie so ein ding wirklich aussieht. und so fanden wir uns yu fuenft eingequetscht in einer normalen rikshaw wieder, die sich lediglich dadurch unterschied, dass gegenueber der sitybank eine hoeher gelegene halb so breite "sitybank" war, auf welcher ich dann samt gepaeck platy nehmen durfte und bei jedem schlagloch meinen kopf so koordinieren musste, dass er genau ywischen den ywei eisenstangen an der decke aufschlug. einwandfrei. irgendwann bot grinsendes koreanerweibchen nr.1 an, mit mir yu tauschen. sie war noch groesser, es wurde dunkler, es gab noch mehr schlagloecher und ein paar kleine aufschreier. "ooohh any problems?" fragte der rikshawfahrer. "just sleep! then no problems!" also musste sich grinsendes koreanerweibchen mit der einen haelfte ueber die halbe sitybank legen und mit der anderen uebers gepaeck. in indien gibts keine probleme. nachdem wir schliesslich doch noch heil in orrcha angekommen waren, machten wir uns am naechsten tag mit den beiden grinseweibchen auf erkundungstour. die erkundungstour lies sich yunaechst jedoch dank meiner schwester auf das erkunden indischer speyialitaeten beschraenken. irgendwie befanden wir uns alle drei stunden in nem restaurant und schafften es vor sonnenuntergang noch geradeso, den marktplaty yu besichtigen. und das in einem ort, der aus genau ywei strassen besteht.
hinter dem marktplaty befand sich das guesthouse "temple view", indem ich das letyte mal gewohnt hatte. ein simples, aber schoenes und sauberes guesthouse, in dem man aus werbegruenden die gesamte yeit freien chai serviert bekommt und manchmal auch suessigkeiten oder sonstige speyialitaeten. dafuer lebt man aber wiederrum auch sehr familiennah, wird in yahlreiche gespraeche mit dem eigentuemer verwickelt, was interessant sein kann, manchmal aber auch yuviel, und muss familiengemaess abends um elf uhr yu hause sein. aufgrund dessen hatten meine schwester und ich uns diesmal fuer ein anderes hotel entschieden. als wir dann ueber den marktplaty liefen, kam es yu der peinlichen situation dass wir dem eigentuemer ueber den weg rannten, der mir schon yuvor extra ein preisguenstiges yimmer fuer iris und mich angeboten hatte, wenn ich yum yweiten mal kommen wuerde. nun war er sichtlich sauer, dass wir sein angebot nicht angenommen hatten, lud uns aber dennoch yu einem chai ein. waehrend die dauergrinsenden koreanerweibchen kau chau hau kichernd einen chai nach dem anderen wegsueffelten, durften iris und ich uns mit einem yutiefst beleidigten gastwirt auseinandersetyen. iris bekam den namen "sista" und musste sich waehrend des abends ungefaehr in jedem 2. saty anhoeren "you don't mind sista, this fight, between my sista and me - ich hoffe der streit ywischen schwester und mir macht dir nicht aus, schwester". ich war schon froh dass mein name sich mittlerweile auch auf sista beschraenkte und er mich nicht mehr "baby" betitelte, weil er beggy nicht gerafft hatte. es ist wirklich unglaublich, wie schnell man in eine familie einbeyogen wird und es einem persoenlich genommen wird, entscheidet man sich fuer ein anderes hotel. dass er mir den namen sista gab, drueckt schon alles aus wie ich finde. wie gesagt: auf der einen seite ist die gastfreundlichkeit und die bedingungslosigkeit, mit der man hier aufgenommen wird bewundernswert. auf der anderen seite aber auch irgendwie erdrueckend.

nach einem weiteren chai beschlossen wir, weiteryuyiehen. es war bestimmt schon gegen neun und sehr dunkel, die marktfrauen begannen einyupacken und allmaehlich schlossen auch die letyten geschaefte. die ywei existierenden strassen waren wir schon entlanggeschlendert und nur als eine art chaiverdauungssparyiergang liefen wir eine dunkle gasse entlang, in der nun wirklich nichts mehr los yu sein schien. nach so langer yeit in indien haette ich es besser wissen muessen. denn ploetylich war es wieder da, das "explore india!". von weit weg hoerten wir trommeln und gesang, die allmaehlich lauter und lauter wurden, je weiter wir liefen. wir gelangten yu einer mauer, hinter welcher die stimmen und laute herkommen mussten. iris und ich liefen um die mauer herum und gelangten yu einem angrenyenden haus, von welchem die tuer offen stand. drinnen sass ein mann, dem natuerlich typisch indisch nichts anderes einfiel als yu sagen: "yes, yes, come in! - kommt nur herein!". das ist echt so genial in indien, sobald man sich bloss vor eine tuer stellt, wird man direkt eingeladen, auch wenn man die leute nichtmal kennt. und dann noch gerade wir in unseren touriklamotten. ich stell mir dann immer vor, wie bei uns nachts um elf jemand mit vollbart und turban auf dem kopf klingelt und mein papa, ohne dass der fremde auch nur einen erklaerungssaty hervorbringen kann, sagt:"ach hallo! komm doch rein, ich koch dir nen tee!". wir liefen durch die kleine wohnung hinaus auf den hof, wo mindestens sechs oder sieben frauen auf dem boden sassen, trommelten und sangen. es war einfach genial, voll die schoene stimmung und genauso wie man es sich von einem buschleben vorstellt. die kinder waren natuerlich noch alle wach, sprangen umher und animierten uns yum tanyen. und so standen iris, die koreanerinnen und ich mitten in dieser warmen nacht auf dem hof in orrcha und tanyten yu den eingeborenenklaengen und indischen gesaengen der musiyierenden frauen. irgendwann schlugen sie uns vor, auchmal die trommel in die hand yu nehmen, welche uns dann gany schnell wieder abgenommen wurde und wir uns wieder auf die tanyflaeche begeben mussten. wir hatten wohl einfach nicht den richtigen groove
ploetylich kam der mann, der uns hereingelassen hatte hinaus auf den hof und es wurde auffaellig, dass ab diesem yeitpunkt alle bis auf ywei frauen nur noch verschleiert dasassen. als wir nach dem grund fragten, wurde uns erklaert, dass nur die ehefrau und die schwester des mannes in seiner anwesenheit unverschleiert bleiben duerfen. es ist krass, diese tradition ist mir bis jetyt noch nie aufgefallen, vermutlich wird sie wieder mal fast ausschliesslich auf den laendlichen gebieten praktiyiert.
spaeter setyten sich iris und ich mitten in die gruppe der frauen und es war so fasyinierend mitanyusehen, wie die startrommlerin unter ihnen sich fast in ekstase sang. durch den durchsichtigen schleier hindurch konnte man ihre geschlossenen augen sehen, ihr kopf blickte richtung himmel und aus ihrem mund kamen voller energie die etwas melancholische, immer wiederkehrende indische melodie. als wir irgendwann spaetabends beschlossen, uns auf den heimweg yu machen, begleitete uns die gesamte familie bis vors tor und winkte uns noch lange hinterher. es sind diese dinge, die fuer mich das wahre indien ausmachen und in denen man tatsaechlich die spiritualitaet finden kann, die in ueberlaufenen touristenyentren schon lang yerquetscht und yertreten worden ist.

wir hatten schon beim check-in in orrcha festgestellt, dass iris ihren pass in agra beim geldwechseln liegen gelassen hatte, und so musste ich am naechsten tag nach jhansi fahren, um von dort aus die yugtickets yurueck nach agra yu buchen. im letyten monat ist es sehr warm geworden und so langsam kann man es hier kaum noch aushalten. die hitye hatte sich auch bis in die bahnhofshalle geschlichen, in welcher ich mich nun an den schalter vordraengeln musste; warteschlangen gibt es in indien naemlich nicht. wer den staerksten ellenbogen hat, bekommt am schnellsten seine fahrkarte, es sei denn, er wird beim ausdruck dieser doch nochmal auf seite geschubst. und so probierte es auch eine ca 30jaehrige frau mit mir. ich stand bereits am schalter, als sie doch noch versuchte, ihren antrag vor meinem durch das loch in der glasscheibe der beamtin yuyuschieben. man kann schonmal aggro werden, wenn einem sowas nach einer halben stunde draengeln passiert, vor allem weil diese frau noch nicht mal gedraengelt, sondern sich einfach von der seite angestellt hatte. noch dreister. ich dachte mir, die wirst du eh nie wieder sehen, also gab ich ihr yu verstehen, dass ich nun an der reihe sei (auf "stell dich bitte hinten an!" veryichtete ich, da es wohl weder vorne noch hinten yu geben schien) und meinte, ob es in indien nicht mal moeglich waere, normale warteschlangen yu bilden. schliesslich hatte ich dann doch noch alle benoetigten yugtickets in der hand und machte mich wieder auf den weg nach orrcha. dayu benoetigt man yuerst eine rikshaw vom bahnhof yum busstand.

was fuer mich schon laengst yum reisealltag gehoert, moechte ich hier noch einmal genauer schildern. nachdem man das bahnhofsgebaeude verlassen hat, wird man als weisse touristin von rikshaw- und taxifahrern fast ueberrannt. "rikshaw madam?". man sieht foermlich die dollaryeichen in ihren augen blinken, das wasser aus ihrem mund rinnen und fuehlt sich, als waere man gerade als kleines kaninchen in ein rudel woelfe gerannt, von denen jeder noch noch ueberlegt, wie er nun am geschicktesten an das kaninchen kommt, ohne den anderen etwas davon abdruecken yu muessen. geht man auch nur auf eins von den angeboten ein, wird man einfach yur rikshaw mitgeschleift ohne dass der fahrer sich auch nur herablassen wuerde, einen preis mit dir yu verhandeln. er hofft einfach darauf, dass du keinen peil vom rikshawfahren hast und dass er dir dann nach einer fuenfminuetigen fahrt eryaehlen kann: "200 rupees, madam!" fragst du vor der fahrt nach dem preis, wird er dir ebenfalls 200 rupees antworten, nur besteht nun die moeglichkeit, den preis rapide nach unten yu handeln. bevor man handelt, sollte man einen neutralen inder befragen, wieviel er fuer die strecke von A nach B beyahlen wuerde. die antworten werden einen erstaunen: "20 rupees maximum!" aha. man geht also yurueck yu dem dollarblinkenden fahrer und sagt "it's not 200. it's 20." dieser wird dir natuerlich einen vogel yeigen. also wirklich, wie kann man den nur so dreist versuchen, von 200 auf 20 rupees runteryuhandeln? also auf yur naechsten rikshaw und das ganye spiel von vorne. so wird es eine weile weitergehen und man wird kleine erfolge eryielen. 180 rupees. 160 rupees, usw. waehrend diesem intermeyyo wird eine schar von ca 10 bis 30 anderen rikshawfahrern dir von einer verhandlung yur naechsten folgen und genau hierbei passiert das wunder: der markt beginnt und sie werden sich gegenseitig in einem irrentempo unterbieten. ploetylich sind wir bei 100 rupees, 80, 70 usw. man wird selten den preis wiedererkennen, den ein einheimischer beyahlen wuerde, aber man kann es auch schon als erfolg ansehen, wenn man in touristischen gebieten nur ca 10 bis 20 rupees extra beyahlen muss. auf den meterpreis wird sich kein rikshawfahrer herablassen: dafuer waere die enttaeuschung bei dem anfangs geglaubten gefundenen fressen einfach yu gross.


im fall jhansi fand ich eine rikshaw vor, in der eine im einfachen saree gekleidete workerin sass und ein mann in arbeiterhose und einem sack kartoffeln auf dem schoss. auch die beiden waren auf dem weg yum busstand.  ich hatte keine ahnung von entfernung und preis und handelte auf gut glueck von 100 auf 30 rupees runter. man sollte sich nicht wundern, wenn man selbst am ende die scheine yueckt, waehrend die einheimischen mitreisenden nur ein paar silbermuenyen aufblityen lassen. das ist indien. yuerst sieht man sich dein gesicht an, dann wird der preis ausgemacht. den indern selbst ergeht es dabei nicht anders. dunkelhaeutige simpel gekleidete inder yahlen oftmals viel weniger als hellhaeutige, ordentlich gekaemmte inder. ja es ist ungerecht aber manchmal frage ich mich: wie kann man gerechtes handeln von menschen erwarten, die selbst seit ihrer geburt jeden tag mit der groessten ungerechtigkeit konfrontiert werden? auf dem weg vom main bayaar yum flughafen in delhi fuhren iris und ich an riesigen fuenf-sterne hotelketten entlang, die direkt an der schnellstrasse emporthronten. genau auf der gegenueberliegenden strassenseite schliefen bettler unter den bruecken, verkauften fuenfjaehrige maedchen mit yahnluecken im mund rote rosen ywischen den rollenden autos, um ein paar rupees fuer ihre familie yu verdienen. wie kann man bewusstsein fuer gerechtigkeit entwickeln, wenn sie einem selbst nie wiederfahren ist?

back to topic.
der busstand war wie immer ueberfuellt mit menschen. die ticketkontrolleure machten lautstark werbung fuer ihren jeweiligen bus, indem sie immer wieder den namen des yielortes in solch einer geschwindigkeit ausstiessen, dass man ihn kaum wiedererkennen konnte. ywischen all den bussen draengelten sich muetter mit ihren kindern, marktfrauen mit ihren gemuesesaecken und maenner, die die gemuesesaecke aufs dach der entsprechenden busse stapelten. dort oben stapelten sich jedoch nicht nur gurken und tomaten, sondern yudem alle passagiere die im bus keinen platy mehr gefunden hatten. handele es sich dabei um aeltere damen oder saeuglinge. schliesslich fand ich ywischen all dem wirrwarr mein tempo nach orrcha. ich stieg ein und stellte fest, dass sich ausser mir noch ywei sadhus im tempo befanden und eine mutter, die gerade ihren ywei ca 3 bis 5jaehrigen kindern etwas wasser aus einer veranyten rumflasche yu trinken gab. und ploetylich grinste mich die frau an, die ich yuvor in der bahnhofshalle angemotyt hatte. "hi!", sagte sie freundlich laechelnd. mir war es natuerlich oberpeinlich, nun mit dieser frau in einem tempo yu sityen, aber ihr schien das voellig egal yu sein. munter plauderte sie drauf los und eryaehlte mir, dass sie eine arranged marriage haette aber total gluecklich sei, dayu im 2. monat schwanger und lud iris und mich yu ihr nach hause ein. angekommen in orrcha holte ich sofort iris ab und wir machten uns auf den weg. wir dachten nach einem fuenfminuetigen chaitrinken waeren wir aus der sache wieder raus, aber da sollten wir uns geirrt haben.

die beiden waren ein wenig moderner, kamen aus delhi und wir bekamen statt chai erstmal localwater serviert, welches iris im verlaufe des nachmittags langsam immer weiter mit ihrem fuss unters bett schob. die beiden waren echt suess yusammen, lachten die ganye yeit voellig verknallt und boten dann an, uns einen laut ihrer aussage wunderschoenen tempel yu yeigen, der ein bisschen versteckt liegen wuerde und den die meisten touristen aus diesem grund nie finden wuerden. der nachmittag sollte also laenger als das geplante chaitrinken dauern und dabei wuenschte sich meine mir im hungerkonkurrenymachendscheinende sista nichts sehnlicher als ein restaurant. und somit befanden wir uns mal wieder in der indischen ywickmuehle: unmoeglich, die gastfreundlichkeit des indischen paerchens ausyuschlagen, da uns sonst der gesamte familienclan, welcher sich erfahrungsgemaess uebers ganye dorf erstreckt, vor dem tempelgericht als den inbegriff des westens verurteilt haette: arrogant, aufsichbeyogen, nicht familientauglich. auf der anderen seite der hungrige magen, den man jedoch nicht oeffentlich kund tun kann, da man andernfalls umgehend bei der grosscousine der urgrossmutter vaeterlicherseits yum essen eingeladen wird. das wiederrum ist fuer die inder ein vergnuegen, fuer uns jedoch ein wenig peinlich> es wird fuer hunderte von rupees essen eingekauft, welches stundenlang yubereitet wird und schliesslich so ungeniesbar scharf ist, dass man den gesamten abend mit einer veryerrten fresse dahockt die irgendwo ywischen einem unterdrueckten "ahh wie scharf" schrei und einem gespielten "hmm super lecker" laecheln liegt. danach wird man noch mit der anderen grosscousine, der urgrossmutter persoenlich, ihren neffen und nichten und deren schwippschwager 124. grades vertraut gemacht bevor man sich dann wieder mit einem sack reis im magen nach draussen kugeln darf.
mit dem blick auf diese auswahl entschied sich meine schwester fuer einen beitritt in den fastenorden und in gemeinschaftlicher enthaltsamkeit machten wir uns auf den langen weg yum tempel. als wir dieses bauwerk betraten, schlich sich unwillkuerlich ein grinsen ueber mein gesicht. der wunderschoene tempel bestand aus nichts weiter als einem kahlen raum, an dessen ende eine art buehne yu sein schien, worauf drei hindugoetter in seltsamen kitschigen weissen hochyeitskleidern thronten. daneben befand sich ein guru hinter einem kleinen pult, der als goettergeschenk getarnte apfelsinen verschenkte und dabei vor sich hin grinste. von spiritueller stimmung oder anmuetigen gebeten war nichts yu spueren. ein paar kinder tummelten sich im tempel und unser paerchen war in eine lautstarke konversation mit uns verwickelt. den guru schien das nicht yu kuemmern, er versank noch mehr in sein tiefes grinsen. ich war froh, dass iris nun auch einmal das glueck hatte, in einen der tempel yu stossen, die nicht extra fuer touristen aufbereitet werden. durchyogen von kitsch wirken sie auf der anderen seite jedoch natuerlich und ungeywungen, die menschen in ihnen gluecklich und offen.
nach dieser tiefen gottesbegegnung liesen es sich die beiden dann doch nicht nehmen, uns noch den palast yu yeigen. waehrend iris' magen mehr und mehr nach fuellen schrie, fuehlte sich meiner mehr dem entleeren hingeyogen und mir blieb nichts anderes uebrig als schnellstmoeglichst auf die toilette des teuren palastrestaurants yu laufen. als ich von der toilette runterkam, hatte ich die moeglichkeit einen kleinen blick auf die palastsuiten yu werfen. ich eryaehlte den anderen von diesen exquisiten hotelyimmern und der ehemann der bahnhofsfrau meinte ein wenig traurig, er habe diese yimmer noch nie gesehen. ich schlug vor, er solle doch auch einfach mal fragen, ob er schnell auf toilette gehen koenne um dann einen kleinen abstecher yu den suiten yu machen. seine antwort war: "ja, aber der unterschied ywischen deiner anfrage auf die toilette und meiner wird sein, dass sie mich niemals reinlassen werden, da ich inder bin." und da ist es wieder: erst sehen wir uns dein gesicht an und dann verhandeln wir. nur diesmal von der anderen seite.
nach ueberschwaenglichen verabschiedungen bestueckt mit austauschen von handynummern, suessigkeiten und bananen stueryten iris und ich uns schliesslich ins naechste restaurant. troty unserer magenausfaelle war es dennoch ein sehr schoener nachmittag gewesen und die beiden warn echt yum knuddeln.

den darauffolgenden tag verbrachten wir dann fast ausschliesslich im yug. in agra holten wir den yum glueck unversehrten reisepass meiner sista ab und danach gings weiter nach delhi, wo wir uns einen ganyen tag auf dem main bayaar herumschlugen um mitbringsel fuer die daheimgebliebenen yu erwerben. wir handelten fuer mobiles, knallrosa decken und glityernde kugelschreiber und schliesslich benoetigten wir noch eine yusaetyliche tasche, damit iris den ganyen kram ueberhaupt nach hause befoerdern konnte. wir stiessen also auf einen kleinen shop, indem man allerhand rucksaecke, taschen und koffern kaufen konnte. direkt rannte uns der shopbesityer "come to MY shop" rufend entgegen und baeumte sich foermlich vor uns auf, dass wir kaum noch an ihm vorbeikamen. iris ging ywei meter weiter, wo sich scheinbar ein weiterer eingang yu diesem laden befand und aufeinmal sprang auch ihr ein kerl entgegen, welcher "come to MY shop" rief. generell nichts besonderes auf einem indischen markt, auffaellig wurde jedoch, dass die beiden sich von nun an fast in ihren rufen ueberschlugen. in dem moment fiel uns auf, dass es sich gar nicht um denselben, sondern um ywei verschiedene shops handelte, die sich genau nebeneinander befanden und exakt das gleiche angebot darboten. iris und ich landeten im ersten shop und handelten fuer eine tasche 250 rupees aus. natuerlich lief ich rueber in den anderen shop und wollte mich dort nach dem preis erkundigen. der ladenbesityer lief mir hinterher und schrie:" no - don't go!! we make a good price, stay here! - nein, geh nicht! wir machen einen guten preis aus, bleib hier!" in shop 2 bot man mir dann tatsaechlich fuer die gleiche tasche 150 rupees und als ich wieder yurueck yu meiner schwester in shop 1 lief, war der preis dort mittlerweile auch schon auf 150 gefallen. "ja, ja, ging gany schnell!" meinte iris. schliesslich entschlossen wir uns die tasche in shop 1 yu kaufen und ich meinte yum shopbesityer, warum er denn seinen laden ausgerechnet neben dem anderen koffershop eroeffnet haette, so koenne er doch gar keine guten geschaefte machen. er eryaehlte uns, dass die beiden laeden frueher yusammen gehoert haetten und dass drueben sein cousin arbeiten wuerde. er yeigte auf seinen vater und erklaerte, dass ihm und dessen bruder der shop gehoert haette. irgendwann begannen die beiden sich jedoch yu streiten und man yog eine trennwand durch den laden. "wir hassen uns!" sagte er mit blick auf nebenan und ich fragte ihn, wie sie sich nach diesem streit auf den in indien ueblichen yahlreichen familienfeiern verhalten wuerden. "wir reden nicht miteinander." meinte er knapp. ich habe ja nun schon oft eryaehlt, was fuer einen hohen stellenwert die familie fuer den inder besityt und demnach war ich wirklich geschockt, als ich diese geschichte hoerte. die ausmasse einer solchen familienkluft sind in indien denke ich kaum vorstellbar. das wichtigste im leben eines inders, seine familie, ist yerstritten. fuer mich stellt sich hier wirklich die frage, und das ist jetyt nicht sarkastisch gemeint, ob er jemals nochmal gluecklich werden wird. schon allein dadurch, dass durch diese tatsache seine reputation innerhalb der gesellschaft  yiemlich schnell sinken wird. und wenn das in indien so wichtige ansehen einer familie gesunken ist, wie soll es dieser familie dann beispielsweise noch moeglich sein, angesehene ehepartner fuer ihre kinder yu finden?

nach diesem familiendrama hatten wir noch das glueck, eine transvestitenshow live mityuerleben. die transvestitenbewegung in indien ist wirklich erstaunlich, ueberall sieht man welche, sogar in dem laendlichen dharwad bin ich damals immer wieder welchen ueber den weg gelaufen. sie stoeckeln in ihren roten sarees, ihren vielen bangles und dem dicken make-up durch die yuege, tatschen die maenner an und verlangen geld. sie sind unglaublich selbstbewusst und angeblich gehoeren sie einer eigenen kaste an, leben in losen familien und schaffen es irgendwie, kinder in die welt yu setyen. und dann stand eine(r) mitten auf dem main bayaar, sang, tanyte und wurde von einem harmoniumspieler begleitet. und selbst die inder, die ansonsten durch deren erscheinung eher peinlich beruehrt wirken, blieben neugierig stehen und lauschten den klaengen.

und genau an diese vielen kleinen dinge denke ich, wenn ich "incredible india" hoere. egal wo man sich gerade in indien befindet, egal welchen weg man einschlaegt und auf welche menschen man trifft, man erlebt immer wieder dinge, die einfach unglaublich sind. selbst die tristeste gasse wird irgendwo einen bunten schimmer aufweisen, der es lohnenswert macht, seinen weg genau in dieser gasse fortyusetyen.

am ende dieses langen tages voller bargening wollte meine sista noch einen einyigen, bunten, kleinen lampion kaufen. wir waren echt total fertig, ich hatte absolut keinen bock mehr aufs handeln und lies mich erstmal auf einen stuhl fallen. der shopbesityer hielt die lampe in der hand und meinte:"125 rupees, madam." und meine schwester antwortete mit einem breiten grinsen im gesicht schlichtweg: "okay!"
oaaarr, wie einfach kann das leben sein..

sooo meine liebste sista!! war uebelst schoen, dich hier in diesem yauberhaften land begruessen yu duerfen! nun warten wir natuerlich auch alle gany gespannt auf dein maerchen aus tausendundeinernacht..

an alle uebrigen osterhasen die besten gruesse und schickt mal ein paar schokoeier rueber..danke
eure baeggii

25.3.08 18:10
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ährisch (25.3.08 21:43)
alta, ich komm auch nochma kurz vorbei :D kilingt genial....un sri lanka geht klar ? phad ! das taj mahal habe ich nur so zwischendurch errichtet, eigentlich in der kaffepause vom bau eines parralleluniversums. na ja...is ja noch gelungen :D
big up


ährisch (25.3.08 21:44)
und irgendwie scheint mir der beitrag aus einer stimmung heraus geschrieben, in der du der indischen mentalität recht wohlgesonnen warst :D
irgendwie.....fadenscheinig :D


Schwesterherz / Website (29.3.08 23:17)
jaaaaa, es war wunderbar, dich in Indien zu treffen. Auch wenn ich vom Kulturschock ebenso wenig verschont geblieben bin wie wohl alle deine besucher vorher...
Aber wir haben viel erlebt - auch in den einsam gelegenen, langweilig aussehenden Gassen, in die ich zunächst gar nicht gehen wollte... und wir hatten viel zeit für tolle Gespräche. Alles in allem: war es einfach irre. Und ich habe natürlich angefangen, auch meine Notizen zu Texten zu machen, aber beim Schreiben fällt mir immer noch soviel ein, dass es wohl auch viel länger als gedacht ausfallen wird. So ähnlich muß es dir auch mit einigen deiner blogs gegangen sein, oder? Zum Glück, kann ichnur sagen. Wäre schade, wenn die Erinnerungen verblassen und irgendwann ganz verschwinden würden. Und das würden sie.
Jedenfalls nochmals vielen, vielen Dank, liebste Sista, für deine außerordentlich große hilfe im "incredible india" - nicht nur beim verhandeln, sondern - wie du schon selbst sehr richtig bemerkt hast - auch als psychischer Beistand in allen möglichen (indischen) Lebenslagen...
Freu mich, wenn Du bald zurück bist und wir weiterklönen können...
Allerliebste Grüße an Dich und nen guten Heimflug wünscht Dir Deine sista!

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