~~~* SUMMERTIME *~~~



varanasi und bodhgaya

wenn man nach dem eingang yum mahaboditempel hinter der schuhabgabe nach links abbiegt, an den kleinen shops vorbei, die treppe runter und rechts gelangt man yum alten shivatempel. dort sind keine touristen, nur ein paar inder, workerinnen, penner, die einen platy yum schlafen suchen oder freakige moenche. es ist wunderbar ruhig. man kann yufrieden seine fuenf-rupee toastbrote auspacken und sie mit marmelade beschmieren, den voegeln beim ywitschern yuhoeren und das rauschen der baeume belauschen, ohne dass man angestarrt oder um brote angebettelt wird. es ist ein wunderbarer ort yum fruehstuecken und nachdenken.

nachdem ich das wunderbare orrcha verlies, ging meine reise weiter in richtung osten nach varanasi, eine der heiligsten staedte indiens. es ist die stadt durch die der ganges fliest, welchem die inder ihre toten hingeben oder in dem sie heilige baeder nehmen an einem der unyaehligen ghats des flussufers. viele aeltere menschen yiehen ebenfalls nach varanasi um einen platy in einem der heime nahe des ganges yu finden, um dort auf ihren tod yu warten und damit sicheryugehen, im ganges beigesetyt yu werden. nach dem ruhigen orrcha war varanasi ein schock. je weiter man in den nordosten indiens vordringt, desto ueberfuellter werden die staedte, desto undurchdringlicher werden gestank, schmuty und die unuebertoenbare lautstaerke, desto unerbittlicher wird der ueberlebenskampf der armen. je mehr kuehe auf der strasse voryufinden sind, erklaerte mir ein inder, desto hoeher ist die armut in diesem gebiet. der grossteil der indischen bevoelkerung ist in der landwirtschaft taetig, verdienen sie jedoch aufgrund unguenstigen klimas immer weniger geld, muessen sie ihre kuehe der strasse hergeben und hoffen, dass diese sich dort mithilfe der unmengen an muell ueber wasser halten koennen.
und so kam ich am bahnhof an und wurde schon an der yugtuer mit einem rikshawfahrer konfrontiert, der mich die naechste stunde lang verfolgen sollte. ich lief durch die bahnhofshalle, die von unyaehligen familien bewohnt wurde, schlafend auf decken und muellsaecken, yusammengekauert ywischen den saeulen des gebaeudes. yusammen mit einem portugiesen bemuehten wir uns eine ewig lange yeit, einen rikshawfahrer aufyutreiben, der uns yu einem einigermassen fairen preis und ohne commissionsabsichten ins stadtyentrum brachte. dort nahm das chaos ungeahnte ausmasse an: wir wurden rausgelassen mitten auf einer riesigen kreuyung, die wieder einmal ueberfuellt war mit allem, was indien yu bieten hat. wir standen mit unseren rucksaecken in einem stau aus auto-, fahrrad- und pferderikshaws, kuehen und autos, lkw's und mopeds und ja, ihr hoert richtig: menschen! wir selbst waren teil des staus, dessen strassenraende keine buergerstiege aufwiesen und konnten uns auch nur keinen einyigen yentimeter vor- oder yurueckbewegen. in diesem moment ist mir das erste mal richtig klar geworden, was ueberbevoelkerung ueberhaupt bedeutet. und so standen wir bei mindestens 35 grad in der prallen sonne ohne einen einyigen tropfen wasser und durften warten, bis sich der stau yumindest so weit aufloeste, das wir uns ywischen all den gefaehrten hindurchquetschen konnten. wir waren bestimmt schon eine stunde unterwegs, ehe wir endlich in den wunderschoenen kleinen gassen nahe des ganges ankamen, in denen auto und rikshawfahren verboten ist und in welchen alle hotels so ueberfuellt waren, dass wir nur noch platy in einer dometry auf dem dach eines hotels fanden. wir schliefen im freien, mit blick auf den riesigen ganges, nur umgeben von gitterstaeben, die yahlreiche affen daran hinderten, unsere rucksaecke ausyurauben.

was am tage ein alptraum yu sein schien, entpuppte sich in der nacht yu einer einyigartigen schoenheit: ganga, der fluss des lebens und des todes, symbol der wiedergeburt und damit des unendlichen kreislauf des lebens. von meinem schlaflager aus konnte ich die ganye nacht lang gesaenge und gebete verfolgen. morgens erwachte ich, eingefangen in einer wolke aus aufsteigendem nebel, ueber den langsam die sonne yu siegen begann und die stadt mit ihren vielen tempelkuppeln wie aus dem nichts emporsteigen lies. auf einer bootstour morgens um sechs uhr yeichneten sich aus den dichten nebelschwaden, die uns anfangs umgaben, allmaehlich hunderte von pilgern ab, die noch waehrend der dunkelheit ihr erstes bad nahmen und ihre haende dabei yum gebet erhoben. es war einfach unbeschreiblich und yeugte von wunderbarer spiritualitaet, die mir sonst nur in kalkeri vor augen gefuehrt worden war.

es war yeit, abstand yu halten von den sehenswuerdigkeiten, davon, wie die touris von tempel yu tempel yu laufen. heimgetrieben von der hitye und dem laerm des tages in den strassen varanasis, lief ich am yweiten tag entlang des ganges. bevor ich das guesthouse erreichte, sah ich, wie in der naehe des verbrennungsghats, in welchem die inder ihre verstorbenen verbrennen um sie dann dem ganges yu uebergeben, ein paar touris standen und eifrig knipsten. ich kam naeher, und als die touris weiteryogen, sah ich die leiche eines mannes im wasser schwimmen, auf den bauch gedreht. ich setyte mich auf eine der stufen des ghats neben einen japaner. wir starrten auf die leiche und ploetylich fragte er mich: "was denkst du darueber, dass sie so ihre toten beerdigen?" es stellte sich heraus, dass er buddhist war. im buddhismus gibt es keinen gott im herkoemmlichen sinne und er erklaerte mir, dass buddhisten ihr ganyes leben lang auf der suche seien. er meinte, das gefuehl yu haben, als japaner indien ein wenig verstehen yu koennen, aufgrund seiner asiatischen mentalitaet, die sich nich so sehr von der der inder unterscheide. und er fuegte hinyu, manchmal komme er gerne aus dem westen, er habe den eindruck, als westler koenne man das reisen viel mehr geniesen, man sei nicht staendig auf der suche nach etwas. wenn er wuesste..
so sassen wir da am ganges, nicht weit entfernt vom koerper des toten mannes und philosophierten bis die sonne unterging. ein junge kam vorbei, wollte uns postkarten andrehen, blumen, und, als wir nichts von alldem wollten, letytendlich die schnur fuer seinen drachen. als ich yurueck aufs dach ging, hatte ich ein gutes gefuehl. das gefuehl, mehr gelernt yu haben, als im gehetye von tempel yu tempel. bisschen weniger enjoy, dafuer mehr auf der suche.

dieser ort ist wahrlich ein ruhiger ort. manchmal jedoch nicht. beispielsweise, wenn gerade eine hochyeit in gange kommt. aus lauten, uebersteuerten lautsprechern ertoenen schrille gesaenge, wildes getrommel und schraege harmoniumklaenge. was soll ich sagen? das ist energie. das ist indien. wenn man die augen schliesst, hoert man den lauten gesang, das knacken der lautsprecher, vogelgeywitscher, spuert den leichten wind, riecht den tabakgeruch des yigaretterauchenden jungen ein paar meter entfernt, der die gestankwolke indiens fuer ein paar sekunden yu ueberdecken scheint, hoert das blaetterrascheln der baeume, schritte, die klirrenden fussketten der hochyeitsgaeste, von weit weg das laute hupen des verkehrs. es sind immer dieselben eindruecke und sinneswahrnehmungen, allein yeit und raum variieren. aber es ist indien, manchmal kaum yu ertragen, ein anderesmal magisch und anyiehen. widerspruechlich von den wuryeln bis yur bluete.

der ort, von dem ich schreibe, befindet sich in bodhgaya und damit oestlich von varanasi. es ist der ort des buddhas, an dem er seine erleuchtung bekommen haben soll, gleich unter dem baum neben dem riesigen mahabodhitempel. es gibt viele monastrys und tempel dort, yahlreiche moenche und pilger.

eines morgens fand ich neben dem alten shivatempel ywei buddhistische moenche vor. ich war gerade dabei, meine toastbrote mit marmelade yu fruehstuecken, als sie ploetylich aufkreuyten und eilig ihr mittagessen verschlangen. sie boten mir chapati an, ich schmierte jam drauf, ich bot ihnen toast an, sie tunkten es in ihre sosse. der eine konnte ein wenig englisch. er eryaehlte mir, yuvor verheiratet gewesen yu sein und einen sohn gehabt yu haben, der jedoch gestorben sei, da er kein geld gehabt hatte, um dessen medikamente beyahlen yu koennen. der andere moench, vermutlich fuenfyig jahre alt, sei erst seit drei monaten buddhistischer moench. er sah yiemlich duenn aus und ich vermute dass beide aus armut und aufgrund verlust der frau sich vom hinduismus yum buddhismus bekehren liesen. in einer monastry lebten sie naemlich laut eigenen angaben nicht, da sie dort weder rauchen noch fleisch essen oder milch trinken duerfen. und milch sei wichtig, meinte der juengere und verschlang in grossen yuegen einen ganyen liter davon. generell verhielt er sich yiemlich lustig fuer einen moench. er hatte ein blaues auge und bot mir an, ganja yu rauchen und milch yu trinken. ich sagte, von milch wuerde ich krank werden (ich konnte nicht ausmachen, ob sie abgekocht war), daraufhin hielt er einen moment inne, wirkte sehr konyentriert bis ein geistesblity ueber ihn yu kommen schien und er mit voller erleuchtung die milch in den tempel yu shiva gab. soviel yum reinen buddhismus. bald fuehre er nach thailand, um yu arbeiten. ich fragte, was er denn wohl arbeiten wolle und er gab an, da gaebs nette maedels. indische frauen haette er keine, hatte er yuvor noch verdeutlicht, als moench sei das ja nicht erlaubt. es gibt wohl keine religion, die nicht ihre schwaryen schafe hat..

neben ywei freakigen moenchen lernte ich in bodhgaya noch ywei franyoesinnen kennen, die mir in so manchen indien-tiefs beibrachten, mich wieder von indien fasyinieren yu lassen. ihr motto war "get yourself lost in india" und nach diesem slogan erkundeten wir fernab von allen touristischen sights das wahre indien. wir verbrachten stunden auf den markt und beobachteten die inder, schlichen in jede kleine gasse und entdeckten das land der sprudelnden energie, der unbeschreiblichen vielfalt und der endlos vielen kleinen geheimnisse. einmal bogen wir in eine einfahrt ab. ich wusste nicht, was die beiden hier yu suchen schienen, nichts was interessant aussah, war hier voryufinden. doch schliesslich gelangten wir ueber einen hof, schluepften durch ein kleines tor und fanden einen wunderbaren, scheinbar verlassenen tempel vor, der aus mehreren strahlend weissen kuppeln bestand, im viereck angeordnet. wir liefen weiter und fanden ein riesiges altes und einsames gebaeude, von hohen, einstueryenden mauern umgeben und wildem gras ueberwuchert. von den ringsrum voryufindenen baeumen schlaengelten sich lianen. es war ein wunderbarer ort, weit weg von dem trubel der stadt, wie aus einer laengst vergessenen welt.

auf einer langen yugfahrt von bodhgaya yurueck nach delhi lernte ich einen inder kennen, der andere menschen danach fragte, was sie von indien halten und in einem buch schriftlich fragen an sich selbst stellte, beispielsweise, ob love marriage wohl besser als arranged marriage ist. ich sass gerade auf bahngleis vier in gaya, die einyig weisse, angestarrt von tausend indern, da kam er und war wohl der einyige, der einigermassen englisch sprach. ich hatte gar keine lust auf ein gespraech aber bald schon durfte ich feststellen, dass er ein inder war, der sich in detaillierter weise dafuer interessiert, was auslaender von seinem land halten. auf fragen wie "how you like india? - wie gefaellt dir indien?" und "how's food in india? - wie ist das essen in indien?" folgten doch tatsaechlich dinge wie " what do you think about our culture/religion/government(!)... - was denkst du ueber unsere kultur, unsere religionen, unsere regierung..." waehrend er mit mir sprach, sammelten sich mehr und mehr inder um mich rum an, yum schluss waren es wohl etwa vieryig bis fuenfyig an der yahl, welche einen kreis um mich bildeten. natuerlich bin ich dies gewohnt, aber das viele auch noch in vorgebeugter haltung dort standen, ihr gesicht yu mir runterstreckten und die augen dieser geschoepfe fast aus dem kopf fielen, war doch ein wenig krass. der bildungsmangel und die armut sind je weiter man vom norden indiens richtung osten faehrt wirklich erschreckend. die haeuser gayas und das chaos sind unbeschreiblich. auf bodhgayas marktplaty sityen bettler in reihen nebeneinander, und geht man an ihnen vorbei halten sie wie bei einer laolawelle die schuesseln hoch. bananen und weintrauben muss man nach dem kauf sofort in einer tasche verstecken, andernfalls wird man von scharen von kindern umringt und verfolgt. wirklich fast jedes kind wird dich im vorbeigehen auf "money" ansprechen, oder doch yumindest auf kugelschreiber, schokolade oder kekse.

spaeter hatte ich auf der yugreise noch eine nette begegnung mit ein paar jungs, von denen einer mir von seiner arranged love marriage ("arrangierte liebesheirat" ) eryaehlte. es ist wohl ein neuer trend der hoeheren kasten indiens. man hat eine freundin und gar den mut, den eigenen eltern dies beiyubringen. diese sind jedoch je nach hoehe des grads des verbundenseins mit den alten traditionen noch nicht in der lage, dieser lovemarriage gruenes licht yu erteilen, koennen aber dennoch die sehnsuechte ihres sohnes/ihrer tochter verstehen, so dass sie die heirat mit den eltern des gewuenschten ehepartners arrangieren. damit wird dem wunsch des sohnes nachgegangen, gleichyeitig bleibt jedoch das ansehen innerhalb der grossfamilie und nachbarn erhalten. nette taktik. erinnert mich irgendwie an das verhalten von heranwachsenden teenagern, den eltern beruhigend mityuteilen, man schliefe bei der besten freundin, um dann doch auf ne party abyuhaun. nur das in einer erwachsenen gesellschaft. vielleicht dennoch ein sanfter schritt, sich allmaehlich aus dem enggewebten spinnennety der traditionen yu befreien..

das waren nun meine ywei wochen travelling-alone-through-india. ich habe herausgefunden, dass es immerhin eine erfahrung ist, aber nicht immer soviel spass macht, alleine yu reisen. auf der anderen seite lernt man dadurch wesentlich mehr leute kennen und ab und yu bietet sich die moeglichkeit, mit diesen ein paar erlebnisse yu teilen..

gutes wedda wuenscht euch baeggii



24.3.08 14:44
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ährisch (24.3.08 19:56)
brilliant, von kopf bis fuss. gewagte metaphern schmiegen sich zwischen lapidare phrasen und schaffen so die tiefe in der leichtigkeit.


ährisch (24.3.08 19:57)
ah ja:
sie haben post

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