~~~* SUMMERTIME *~~~



toast, butter, jam. - oder: die wichtigkeit des verstehens

"you know I really love the indian food but I am not able to eat spicy food already in the early morning. I prefer toast and some butter or cheese." "yes, I see", gab sie zu verstehen "the same as me. I don't eat pury or idli in the morning. toast, butter, jam is all I want." und ihr blick sagt: "wir sind keine dummen locals. wir verzichten auf pury. wir sind unserer zeit voraus. wir wissen, was im westen abgeht. im wirklichen leben. genau genommen sind wir bereits teil der westlichen kultur. heller teint, englischsprechend, blue jeans. toast, butter, jam eben." genau genommen sind sie jedoch wohl nur eine kopie des westens. make-up und helle hautfarbe verschwimmen zu einer schimmernden oberflaeche, die genauso schimmert, wie die oberflaeche des westens. doch wirft man nur einen stein, wird er auf ewig aus dieser oberflaeche herausstechen, denn der wasserstand ist niedrig. es gibt keine tiefe, keinen aufbau, keine struktur. sie koennen nur das kopieren, was sie sehen. doch reicht sehen allein schon aus, um wirklich zu verstehen? um eine erkenntnis darueber zu erlangen, warum eine oberflaeche in eben diesen farben schimmert, sich in eben diese richtung fortbewegt und nicht anders? ist die westliche kultur denn nicht mehr als toast, butter, jam?

auf einem sparziergang durch bangalore begegnet man ihnen jeden tag aufs neue: den maedels, die sich in top und jeans kleiden, den jungs, die chucks tragen und sich die haare gelen. noch ein wenig unsicher bewegen sie sich in ihrer soeben erst neu erworbenen kleidung, doch ihr blick zeigt bereits, dass sie sich bewusst dessen sind, was sie damit zum ausdruck bringen moechten. es ist die absonderung von den konservativen vertretern indiens, die ablehnung der traditionellen indischen werte. statt blumen tragen sie spray in ihren haaren, fluessiges englisch loest die lokalsprache kannada ab und bangles und nasenring gehoeren bei ihnen schon lange zur vergangenheit. doch auch wenn die blue jeans in indien auf den ersten blick ebenso revolutionaer wirken mag, wie sie es in den sechziger jahren in den vereinigten staaten tat, ist sie nicht beim naeheren betrachten nur ein fortfuehren des kastensystems und der in ihm herrschenden familientradition als ein ausdruck jugendlichen protests? sind es nicht nur die kinder der hoeheren kasten, das abgeschlossene IT-studium, ebenso wie den job in den usa in der tasche, die diese fuer indien neue mode fuer sich entdeckt haben? und ist sie aus genau diesem grund nicht viel eher ein statussymbol, desselben sich auch die eigenen eltern bedienen als ein versuch das land mit neuen ideen in eine andere richtung zu lenken? wird die westliche kultur nicht missverstanden, indem die eigentliche intention ihrer kleidung, naemlich persoenliche identifikation verschiedener individueen simpel auf jeans und top reduziert wird und von einer ganzen masse in ein und demselben stil getragen wird? 

selbst wenn gerade in bangalore eine aeussere veraenderung wahrnehmbar ist, ist dies fuer mich kein zeichen jugendlichen aufbruchs in eine neue politische richtung, sondern viel eher ein festhalten an alten traditionen. es ist der wert der gemeinschaft, welcher in indien eine sehr grosse rolle spielt. es geht nicht darum, sich selbst zu repraesentieren und sich mit einer eigenen weltanschauung moeglichst von allen anderen individueen, oder zumindest von dem konservativen gedankengut der elterngeneration abzugrenzen wie es in den westlichen nationen der fall ist. es ist community, welche die menschen hier zusammenhaelt und sie zu einem volk verschmelzen laesst, das durchaus patriotisch angehaucht ist. ganz oben auf der liste der praktizierenden gemeinschaften befindet sich die familientradition. erhaelt sam eine einladung von freunden, werden sie zumeist auf spaeter vertroestet. nur ein anruf von mutter, vater oder bruder genuegt jedoch, um ihn im naechsten moment verschwinden zu lassen. der generationenkonflikt bleibt aus, oder findet nur in kaum bemerkbaren ausmasse statt. auf den traditionellen nasenring wird nur verzichtet, wenn es von der mutter ausdruecklich gewuenscht wird. liebesheirat entsteht zumeist nur dann, wenn die eltern dies akzeptieren.

aber auch ausserhalb der familie macht sich gemeinschaftliches denken bemerkbar. es ist immer wieder interessant zu sehen, wie inder in massen auftreten: etwa in dem man eine einzige person nach dem weg fragt und ploetzlich ein gruppe von menschen um sich versammelt sieht. an der kasse im supermarkt springen permanent drei andere mitarbeiter um den kassierer herum. nach der schule kann man nicht selten mehrere jungs in schuluniform, mit identischem rucksack und identischem fahrrad auf ihrem nachhauseweg beobachten. und ueberall kommen die gleichen schwarzen nokiahandys zum vorschein, begleitet von immer wieder ein und dem selben klingelton. und so spiegelt auch toast, butter, jam nicht etwa eine individuelle empfindung oder gar ein revolutionaeres gedankengut wider, sondern bleibt letztendlich nichts weiter als fortsetzen einer hochkastigen gemeinschaft, orientiert an dem luxusstatus der westlichen nationen, deren gesinnung wiederrum im anfangsstadium ihres entstehens eine ganz andere war. 

die westliche kultur wird von den indern sehr gegensaetzlich aufgefasst. auf der einen seite gibt es da leute wie sheela, die sie wohl als fortschrittlich betrachten und mich daher entsetzt ansieht, wenn ich mir aufgrund meines dreimonatigen aufenthalts in kalkeri gewohntermassen die schuhe ausziehe, bevor ich das ICDEoffice betrete und der es wohl hauptsaechlich darum geht, den westen nach indien zu bringen, indem sie sich mit suessen blonden maennlichen exchangees fotografieren laesst und uns vorschlaegt, auf den abschlussabenden der jeweiligen camps doch auf den salvar zu verzichten und uns stattdessen westlich zu kleiden. auf der anderen seite stehen die traditionellen inder, die die westliche kultur als schlechten einfluss wahrnehmen, welcher ihre eigenen wertevorstellungen und weltansichten an den rand draengt und auf der basis von geld, macht und egoismus ihre derzeitige gemeinschaftstradition zu zerstoeren droht. inder, die sich sowohl ueber positive als auch negative aspekte des westens im klaren sind, sind zumeist nur solche, die selbst schon in einen westlichen staat gereist sind und deren meinung somit fundiert ist und nicht auf blossen vorurteilen beruht.

auffaellig ist der in indien vorhandene ruf nach einem fuehrer. die sehnsucht nach einem menschen, der indien von dem vorhandenen parteienwirrwarr zu befreien vermag und mithilfe einer klaren linie dem volk zu weiteren aufschwung verhilft. sozusagen den wunsch nach der einen, absoluten gemeinschaft erfuellt. stellt sich nun die frage, warum das indische volk nun eigentlich geradezu besessen von diesem gemeinschaftsgedanken ist. vielleicht liegt es gerade in den enormen differenzen innerhalb des landes und der menschen, die es unmoeglich machen, ein verlangen nach individualitaet zu erzeugen, wie es bei uns der fall ist. ein land erstreckt auf gut drei millionen km², eine bevoelkerung unterteilt in mehrere staaten, religionen, kasten, sprachen, traditionen, zum teil unterschiedliche staatsformen und nicht zuletzt gespalten in arm und reich.wer sich solch gravierenden unterschieden im eigenen land ausgesetzt sieht, verlangt nicht nach weiterer absonderung sondern entwickelt womoeglich einen sinn fuer groesseren zusammenhalt unter den menschen. in deutschland wiederum, wo menschen im vergleich zu indischen massstaeben mehr oder weniger unter gleichen bedingungen aufwachsen, wird so im laufe der zeit der ruf nach abgrenzung lauter und gemeinschaften werden aufgrund verschiedener interessen eigenstaendig gebildet. in indien jedoch laesst sich aufgrund von familientradition und kastensystem die art der jeweiligen gemeinschaft fuer jeden menschen schon von geburt an determinieren. geboren in eine solch strukturierte welt, auseinandergerissen hauptsaechlich durch die ein leben lang geltenden fesseln des kastensystems, wird wohl nicht selten ein wunsch nach peace and unity entwickelt.

kommen wir damit zu der in indien existierenden hierarchie. das system ist ganz einfach und wohl jedermann bekannt, dennoch hat es mich erschreckt, als ich seine ausmasse kennengelernt habe. was mir in kalkeri noch gar nicht richtig bewusst werden konnte, da sich die dschungelschule wohl auch als eine art einrichtung fuer sozial isolierte bezeichnen darf, indem sie beispielsweise geschiedene frauen oder gar nie verheiratet gewesene sowie menschen aus den untersten sozialen schichten eine arbeitsstelle und gleichzeitige verpflegung und unterkunft bietet, wird mir hier in bangalore jeden tag aufs neue dargeboten: die praxis des kastensystems. der schnellste weg um auskunft ueber die jeweilige kaste zu finden, in der sich ein inder befindet, ist der anblick seiner hautfarbe. je heller der teint, desto hoeher auch zumeist die kaste. weitere entscheidene merkmale ist die von ihm verwendete sprache (lokal? hindi? englisch?), seine kleidung, seine verhaltensweise und natuerlich sein job. hat ein inder ersteinmal analysiert, in welche schicht er sein gegenueber einzusortieren hat, kann das rollenspiel beginnen. eine hierarchie, die von fast allen praktiziert wird und, was mich durchaus mehr verwundert hat, auch akzeptiert. eine solche einschaetzung anhand oben beschriebener merkmale kann man natuerlich auch auf allen anderen teilen der erde beobachten, da es eben in der natur des menschen liegt, aufgrund des ersten eindrucks und damit mithilfe des aeusserlichen erscheinungsbildes zu sortieren. dennoch hat mich das ausmass des auf diese einschaetzung folgenden umgangs mit dem jeweiligen gegenueber und besonders die selbstverstaendlichkeit, mit der dieser dann praktiziert wird, sehr erstaunt. als ich in mein neues projekt in bangalore kam, ist mir zu beginn gar nicht aufgefallen, dass es immer dieselben frauen waren, die mit den kindern auf die toilette gingne, die sabber wegwischten oder heruntergefallenes essen aufhoben. nach einer weile bemerkte ich jedoch die eigenschaften genau dieser frauen, die immer die sogenannte drecksarbeit verrichten durften, waehrend die uebrigen daneben sassen und keinen finger ruehrten: die hautfarbe dunkelbraun, zumeist nur zwei unterschiedliche sarees besitzend und der sprache englisch kaum maechtig. sogenannte worker. natuerlich besitzen auch in deutschland die putzfrauen zumeist keine gute schulbildung und werden unterbezahlt. doch auch wenn der american dream nicht immer makellos realisierbar ist, ist bei uns schon allein wegen des grundgesetzes und verschiedener sozialversicherungen nicht schon von geburt an festgelegt, ob wir irgendwann einfach von der strasse aufgelesen werden oder uns einer feierlichen beerdigung erfreuen duerfen. und wenn man andere menschen aufgrund ihres sozialen stands oder ihrer baeuerlichen verhaltensart belaechelt, so hat man doch zumindest hinterher ein schlechtes gewissen. in ashraya durfte ich jedoch miterleben, wir sogar mir aeuserst sympathische erzieherinnen ueber das aus ihrer sicht kindliche, naive oder lapidare verhalten der workerinnen tratschten, als waeren sie dabei, sich ueber instinktives und vernunftfreies verhalten von tieren lustig zu machen. und ich durfte mitansehen, wie sie teilweise die workerinnen keines blickes wuerdigten, waehrend diese ihnen etwas mitzuteilen versuchten. hier moechte ich noch einmal klarstellen: so verhalten sich nicht alle inder hoeherer gegenueber indern niedrigerer kasten. auffaellig ist es dennoch.

eine workerin verdient im monat 800 rupien. das sind umgerechnet weniger als 18 euro. eines nachmittags lud mich eine workerin zu ihr nach hause ein. ich wollte schon aus dem tor der schule hinaus auf die strasse sparzieren, als sie mich zurueckrief und mir erzaehlte, sie wohne direkt neben dem schulgebaeude. wir liefen also um die schule herum und sie fuehrte mich in eine huette, die mir auf den ersten blick den eindruck einer rumpelkammer vermittelte, in welcher womoeglich dinge fuer die schule aufbewahrt wurden. der raum war halb so gross wie einer der beiden raeume meines guesthouseapartments. und ploetzlich wurde mir bewusst, dass es sich hier um ihr zu hause handelte und dass sie in diesem kleinen raum zusammen mit ihrem ehemann, ihrem erwachsenen sohn und dessen frau lebte. und als ich ein tuch zurseite schieben wollte, welches von der decke hing, bemerkte ich ploetzlich, wie sich darin ein kleines baby befand, die tochter des sohnes. ich war so geschockt, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte. da die inder, egal wie arm sie sein moegen, eine unendliche gastfreundlichkeit ausstrahlen und es sich niemals nehmen lassen, etwas zu essen oder zu trinken anzubieten, rannte ihr sohn schnell zu einem laden und kaufte eine flasche mangosaft, die mir daraufhin angeboten wurde. ich weiss dass diese flasche 22 rupien kostet und somit fast an die geldsumme heranreicht, die der workerin pro tag zur verfuegung steht. waehrend ich auf dem einzigen stuhl im raum platz nehmen durfte, hielt sich der rest der familie vor der tuer auf, da in der huette aufgrund meiner anwesenheit nun kein platz mehr war. zum schlafen duerfen die fuenf einen klassenraum der schule benutzen.

obwohl die ungerechtigkeit ihres daseins in dieser art von gesellschaft ihnen jeden tag wieder vor augen gefuehrt wird, kennen sie keine klagen. denn ihre schwaeche, nichts zu hinterfragen und alles so hinzunehmen wie es ist, stellt gleichzeitig auch ihre staerke dar: dem voelligen akzeptieren ihres schicksals und die gerade durch diese akzeptanz machbar werdende meisterung ihrer lebenssituation und dem zurechtfinden in einer noch so schwierigen welt.

ein anderes beispiel: eine mutter, die jeden tag ihren schwerbehinderten jungen zur schule bringt. sie ist 29 jahre alt, ihren sohn gebar sie mit 19, zu dieser zeit hatte sie bereits eine damals zweijaehrige tochter. nach ihrem sohn brachte sie ein weiteres maedchen zur welt. ihr sohn kann weder alleine gehen, alleine essen, noch nur ein einyiges wort sagen oder ein einziges wort verstehen. er muss gefuettert werden und kann nicht alleine auf die toilette gehen. er hat 12 finger, mit denen er so gut wie nichts anfngen kann und sitzt den ganyen tag nur da, sabbert und streckt die zunge raus. und diese mutter macht den ganzen tag nichts anderes, als sich um diesen jungen zu kuemmern. und es ist bewundernswert, wie sie dabei jeden tag gut gelaunt ist. sie sieht aus wie ein junges maedchen, ihre augen wirken fast schon kindlich und dennoch ist sie so stark. aber der hammer ist, dass sie das alles selbst gar nicht als eine grosse leistung ansieht. denn sie denkt, sie hat nun eben diesen behinderten jungen auf die welt gebracht, und daher muss sie all die schwierigkeiten und die enormen einschraenkungen,  die fuer ihr eigenes leben entstehen, akzeptieren und hinnehmen. und auch keiner von den indern drum herum wuerde jemals denken: "oh mein gott, die arme frau, so jung und ein solch schwerbehindertes kind" oder etwa "bewundernswert, wie sie das alles schafft." es ist so, und deshalb ist es so, und waeren sie selbst in so einer lage, waere es ebenfalls einfach so, und niemand wuerde sich darueber beschweren oder den kopf in den sand stecken. auf meine frage an eine erzieherin, wie die eltern damit umgehen, wenn sie erfahren, dass sie ein behindertes kind auf die welt gebracht haben, antwortete diese daraufhin schlicht: "they have to accept it - sie muessen es akzeptieren."

die voellige akzeptanz der indischen natur laesst auf der anderen seite jedoch auch keine kritikfaehigkeit zu. accept it like it is. das wiederum gibt die basis fuer eine manchmal bewundernswerte toleranz, die wohl unter anderem auch auf die wurzeln des ueber das ganze land verbreiteten hinduismus zurueckzufuehren ist. goetter fuer die liebe, goetter fuer die gestirne, goetter fur reichtum, goetter fuer die natur. somit sind auch allah und jesus tolerierbare goetter und christen, mosleme und buddhisten haben in indien lange tradition. manche hindus zelebrieren gar weihnachten. toleranz verbreitet verstaendnis und damit frieden, der in diesem land jeden tag aufs neue ersichtlich wird. noch nie habe ich mich irgendwo so sicher gefuehlt wie in indien. toleranz laesst aber auch einfluesse aufnehmen, ohne sie kritisch zu betrachten. und damit schliesst sich der kreislauf. die westliche kultur wird toleriert, ohne sich wirklich mit ihr auseinanderzusetzen, sie kritisch zu hinterfragen um dadurch auf ihre fundamente stossen zu koennen und deren bauart und beschaffung zu erkennen, welches noetig waere, um diese kultur in ihrer gesamtheit erschliessen und verstehen zu koennen. ihre sichtbaren konturen werden kopiert, die entwicklungsschritte zum gesamtwerk werden jedoch ausser acht gelassen. somit werden zwar symbole wie mode, essen oder sprache uebernommen, ihre eigentliche bedeutung bleibt jedoch im dunkeln.

nimmt man nun noch die tatsache zur kenntnis, dass sich ein gespraech mit einem inder zunaechst auf themen wie die namen, das alter und der familienstand meiner gesamten verwandtschaft beschraenken laesst und darauf, ob ich heute schon dinner gehabt habe und was ich genau gegessen habe, koennte man im kontext meines bis jetzt verfassten textes darauf schliessen, dass das indische volk an sich bezeichnend von oberflaechlichkeit sein muesste. es hat lange gebraucht, bis ich begriffen habe, dass dies nicht der fall ist. es ist eine andere welt, mit der ich das erste mal in meinem leben konfrontiert wurde und die ich verstehen lernen muss, bevor ich ueber sie urteilen kann. es ist wohl etwas, was man in indien lernen kann: verstehen. es wird dir keiner in direkter art und weise seine meinung an den kopf knallen oder mundgerecht auf dem teller servieren. Indien ist sensibel. es kommt nicht auf worte an, man muss verstehen, erkenntnis ebenfalls anhand analyse von gestik und mimik zu erlangen und an dem, was dahinter steckt. als ich mit meiner mama in goa essen war, waren wir gerade in ein gespraech vertieft, als der kellner uns das essen servierte. ich muss wohl in einem negativen tonfall gesprochen haben, denn der kellner kehrte ploetzlich um und fragte: "everything allright? - alles okay?" in meinem ersten bassunterricht spielte mir peter, mein lehrer, verschiedene laeufe und grooves vor, damit ich herausfinden konnte, in welche richtung ich gerne gehen wuerde. eine der uebungen gefiel mir nicht, aber bevor ich auch nur ein wort sagen, oder auch nur meinen gesichtsausdruck veraendern konnte, sah er mich ploetzlich an und meinte: "no, i think you don't like this. - ich glaube, das gefaellt dir nicht."

somit ist indien nicht oberflaechlich sondern einfach nur sensibler und lockt seine gemuetsstimmung schon aus wenigem heraus. vielleicht muss man in indien keine tiefen gespraeche fuehren, um die gleichen emotionen auszuloesen, die man in deutschland nur durch deepness erlangt. und wenn die emotionen schon auf dem gleichen level sind, wie in allen anderen voelkern der welt, dann sind es auch durch diese emotionen angetriebenen gedanken.

ich hatte einen wunderschoenen nachmittag bei rabia, eine der erzieherinnen von meinem projekt. ich konnte das erstemal richtig gute gespraeche mit ihr fuehren und wir haben sogar ueber arrangierte heirat gesprochen. es war sehr interessant, mit jemandem zu reden, der genau diesen standpunkt der arranged marriage vertritt, sie gar love marriage (liebesheirat) gegenueber bevorzugt. und der mir dadurch auch positive aspekte der arranged marriage vermitteln kann, auch wenn es fuer mich noch so strange und crazy ist. desweiteren konnte ich mich im zuhoeren ueben und versuchen, ihr nicht direkt meine meinung an den kopf zu knallen, wie ich es in deutschland tun wuerde. ueben im verstehen. sie erzaehlte, dass sie ihren mann das erste mal am tag ihrer hochzeit sah. sie ist ueberzeugt davon, dass eltern aufgrund ihrer langjaehrigen erfahrungen besser wissen, was gut fuer ihre kinder ist. sie vertraut auf ihre eltern und damit auf die richtigkeit deren entscheidung. ihre eltern wollen ihr nichts boeses, also werden sie ihr einen guten ehemann suchen. und dann muss man diesen mann akzeptieren, so wie er ist und dieser mann muss sie akzeptieren, so wie sie ist. es ist gottes wille und damit kann es nur richtig sein. und damit wird es letztendlich zu einer art challenge, herausforderung fuers leben.

genauso hin- und hergerissen, wie dieser bericht erscheint, fuehle auch ich mich zu indien. immer wieder muss ich an die worte denken, die genau ein jahr zuvor eine andere ICJAexchangee mir schrieb, als sie sich damals genau wie ich jetzt ein halbes jahr in indien befand: "es ist schwierig, indien zu beschreiben. manchmal liebe ich es und manchmal hasse ich es." ich sehe es nicht als meine aufgabe, mich der indischen kultur uneingeschraenkt hinzugeben und sie als das ultimatum zu empfinden. das schaffe ich noch nichtmal in hinsicht auf meine eigene, von geburt an vertraute kultur. aber ich betrachte es als meine aufgabe, wenigstens zu versuchen, sie ein wenig zu verstehen. und ebenso, wie indien niemals die westliche kultur verstehen werden kann, durch das blosse betrachten ihrer oberflaeche, werde ich niemals indien verstehen koennen, wenn ich nicht zu den wurzeln vordringe. es ist nicht alles so simpel, wie es auf den ersten blick scheinen mag. denn alles, was in dieser welt geschieht, hat einen grund und erlangt gerade dadurch an tiefe.

ich werde nie vergessen, wie rabia spaeter in ihrem schwarz-roten saree an ihrer naehmaschine stand, und mir in dieser indischen wohnung zwischen all den himmelblauen waenden und buntbestickten bedsheets zwei nightys zusammenschneiderte. und wie wir uns beide uebelst darueber freuten, als ich sie vor ihrem spiegel anprobierte. es war einfach so ein schoener augenblick, obwohl es so simpel war. und als die tuer klingelte und sie meinte "zieh dich schnell um, du willst doch nicht im nighty dastehen, wenn besuch kommt." in deutschland waere es so kaggegal gewesen, aber in indien mussten wir beide lachen bei der vorstellung, einen besuch im nighty zu begruessen. wir fuhren nach benzontown in die toepferstadt und suchten tontoepfe und vasen aus. spaeter kehrten wir zurueck zu ihrem haus, brieten dosa und begruessten eine freundin von ihr. und ich war "the friend from germany - die freundin aus deutschland". voll geil, obwohl ich sie eigentich nur von der arbeit herkenne. es ist so damn simpel. aber es ist genial..

 

 

27.1.08 15:26
 


bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ährisch (28.1.08 11:06)
erster !


ährisch (28.1.08 11:49)
leuk verhaal ! echt gut in worte gefasst.lyroholika


Grit (28.1.08 15:38)
das ist umwerfend, so eine andere kultur erklärt zu bekommen! ich hatte keine ahnung von indien bis du genau da hin wolltest! es macht sooooo nachdenklich über einen selber und die eigene unzufriedenheit obwohl es uns doch echt so gut geht. besten dank für die einsichten in mein innerstes zu denen ich sonst nicht so schnell oder nie gekommen wäre. es ist halt so persönlicher und eher nachzuvollziehen da wie hier dich kennen und so geht dein block auch tief rein!
DANKE


Bollo (30.1.08 01:02)
Sie haben Post im E-Mail-Postfach! Dieser Bericht im Übrigen liest sich ein wenig wie eine akademische Hausarbeit zu einer psychologischen oder ethnologischen Abhandlung (ist natürlich positiv gemeint!)
Lg
Bollo


(31.1.08 13:31)
woooooooooooooooow
hey bäggie
wunderschön geschrieben!!!!!!!!und geniale denkansätze und beschreibungen
!!!!
danke das du uns durch diese berichte ein stückche mitnimmst in diener reise unter dei oberfläche, auch wenns was ganz anderes ist so was von der couch aus zu lesen, aber dennnoch bekomm ich jedesmal gänsehaut!bei dem eintrag besonders
!!!!
hab dich gern
bleib munter,
ps freu mich schon darauf zu sehen wie du deine schuhe vor meiner haustür ausziehst wenn du mich mal besuchen kommst
lol
bussy
ellllla


Schwesterherz / Website (25.2.08 09:48)
Hey sista!

What's up? Wann hören, bzw. lesen wir wieder von dir? Auch - und gerade! - über die Reisezeiten möchten wir doch unterrichtet werden...!!!
Wir, die armen daheimgebliebenen...(die hoffentlich bald kommen...)
Alles Liebe, Deine Schwester!

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