~~~* SUMMERTIME *~~~



das leben auf dem lande

tadaaa hier bin ich wieder.

Gut erholt von meinem vorbereitungsseminar, schlug ich heute morgen die augen auf und dachte „kagge. noch elf tage. Noch kein moskitonetz. Noch keine reiseapotheke. noch kein visum. Noch keinen regenmantel. Noch keine passfotos. Noch keine traveller checks. Noch keine gastgeschenke. Noch keine eingetragenen impfungen.“

Herzlich willkommen im leben einer bäggi.

Aber wie für alle probleme dieser welt gibt es auch für dieses ein lösung. Die turbostresshormone, die plötzlich ausgelöst in meinem kopf meinen ganzen körper durchfluteten und mich dazu veranlassten, mich in meinem bett nochmal umzudrehen, denn elf tage reichen für diese ganzen dinge wohl eh nich mehr aus.

Nun möchte ich euch jedoch erst einmal von meinem vorbereitungsseminar von icja (der organisation, mit der ich nach indien gehe) erzählen. Letzten Mittwoch fuhr ich mit dem ice durch die stadt meiner träume: berlin. Im stadtteil lichtenberg (eigentlich schon wieder ein eher unangesehenes viertel im osten berlins) hielt ich es dann nicht mehr aus und musste wenigstens mal für ein paar kurze minuten die berliner luft schnuppern. Woraufhin ich dann wie ein übermütiges landei samt meinem tonnenschweren gepäck incl. Gewürzcollage, deren intensiver duft schon so manchen meiner sitznachbarn erfreut hatte, nach draußen hüpfte. Die erste begegnung die ich hatte, war die mit einem rollstuhlfahrer, der mich auf übelstem dialekt fragte („naa kleene“ ), ob ich keine beziehung mit ihm eingehen wollte („wie wärsn mit na partnaschaft“ ), und mich daraufhin wies („kick ma da“ ), das mein hosenstahl offen wäre (was er NICHT war) und fragte, ob er den zumachen sollte („soll ick det ma in angriff nehmen?“ ). Meine neugier auf berlin schien sich in diesem moment urplötzlich befriedigt zu haben, und ich steuerte wieder auf den bahnhof zu.

Das seminar selbst befand sich leider schon wieder ausserhalb von berlin in brandenburg, und zwar in einem ganz kleinen kaff namens waldsieversdorf, umgeben von blumen und bienen und wäldern und wiesen. Westerwald auf ossisch eben. Neben der jugendherberge, in der wir untergebracht waren, war ein riesiger see, einfach tierisch geil, in dem wir kanu fahren und schwimmen gehen konnten. Tagsüber hatten wir jeweils drei einheiten, indenen wir beispielsweise über unsere rolle als der/die deutsche sprachen, über globale ungleichheit, unsere erwartungen vom projekt, über die mentalitäten der verschiedenen kontinente und mit hilfe eines spiels nachempfinden konnten, wie es wohl sein wird, in ein völlig anderes land zu reisen und weder sprache noch teilweise gestiken und mimiken zu verstehen, geschweige denn traditionen und rituale. Nebenbei war es einfach so interessant, jede menge leute kennenzulernen, die gerade genau dasselbe durchmachen und die, wie ich, auch noch so vielen fragen und unsicherheiten ausgesetzt sind. Manche wissen bis jetzt weder ihr projekt noch ob sie eine gastfamilie haben, und die ersten sind heute schon nach afrika geflogen. Oaaaaaaaaar das ist alles so genial, der eine fliegt nach nigeria, der andere in den vietnam, der nächste nach bolivien oder neuseeland. Echt spannend!

Die typischen gespräche auf dem seminar liefen ungefähr so ab: „wie heißt du? Woher kommst du? Wohin gehst du?“ und das bei 60 leuten ungefähr 3600 mal am tag mal 3 weil mans eh mittags wieder vergessen hatte, mit wem man morgens schon gesprochen hatte. Zwischendurch kamen dann die einheiten, gefolgt von richtig gutem essen, gefolgt von unzähligen klogängen. Den koch den wir auf dem seminar hatten, wünsch ich echt jedem internatler! die verstopfungen werden ein ende haben..

Als wenn wir nicht schon genug glück gehabt hätten mit dem schönen wetter, dem see und dem guten essen, wollte der zufall, das wir am wochenende noch zusätzlich ein ganz besonderes ereignis bewundern durften: DAS dorffest. Einmal im jahr verwandelt sich das ca 500einwohner kaff waldsieversdorf zum ballermann der ehemaligen ddr. Drei tage lang darf man von morgens sechs uhr bis nachts um fünf den sanften klängen der waldsieversdorfer blaskapelle lauschen, abgelöst von einem vermutlich als dj getarnten stasispitzel, der die hits des westens der 70er und 80er zum besten gibt und den wiederum die gegenveranstaltung der waldsieversdorfer jugend – einer aggroberlin hiphopgruppe mit ihrem ca fünfstündigen hit „bitch verrecke“ – zu übertönen versucht. Zwischendrin wird noch versucht den see mithilfe eines feuerwerks (handelte es sich nich vielleicht doch noch eher um fundstücke des zweiten wk?) in die luft zu sprengen. Der geräuschpegel war einfach unbeschreiblich.

Vor dieser klangkulisse versuchten wir währenddessen, uns mithilfe von leiser enyamugge in eine traumreise zu begeben. Der abschied am flughafen wurde uns beschrieben, wie wir uns noch ein letztes mal umdrehen, um uns dann in die weite welt zu begeben. Ich überlegte, ob sich um sieben uhr morgens in düsseldorf am flughafen auch eine blaskapelle die ehre geben würde, unterlegt durch krasse beats und den interpretationsfreudigen rhyme „ey du bis so pädophil ich *** dich ins knie“.

Aber man muss dazu sagen: auch wir hatten auf dieser bauernparty unseren spaß und sind bis um zwei uhr morgens auf „lets twist again“ und „i will surrive“ abgegangen. Sogar mehr als die ca 40-60 jährigen genossen. Naja gut, die kannten vermutlich die lieder auch nicht.

Gestern hatte ich bei meiner rückreise dann doch nochmal die gelegenheit, ein angenehmeres bild von berlin zu bekommen. Da mein zug erst so spät abfuhr, fuhr ich noch mit zu magdalena, die auch am seminar teilgenommen hatte und nach finnland geht, in eine richtig geile berliner altbauwohnung. Wir chillten in nem zimmer mit cheguevarapostern, hörten ska, aßen nen ganzen topf mit nudeln und pizzatomatensause, und fuhren wie bekloppt mit den sbahnen durch die stadt, in denen es nach kotze roch, und ich hab gerad noch so meinen zug gegriegt. Es war einfach so genial!! ICH WILL NACH BERLIN!!!

So, nun kommt noch was, was ich eigentlich schon letzte woche schreiben wollte: ich habe nun auch schon eine echte inderin kennengelernt! Sie heißt seema und ist die arbeitskollegin von meiner fastschwiegermama. Bei einem gemütlichen grillnachmittag vor zwei wochen hatte ich dann die gelegenheit, ihr ganz viele fragen zu stellen und viel über indien zu erfahren. Sie hatte sich sogar extra traditionelle kleidung angezogen und daraufhin hab ich mich noch mehr gefreut, bald in indien klamotten kaufen zu gehen und dann auch so tolle und farbenfrohe stoffe zu tragen. Sie meinte, dass es ganz normal wäre, in indien auf schlangen und skorpione zu treffen und das hat mal wieder meine zootheorie bestätigt. Aber ich hoffe jetzt einfach, dass alles gut gehen wird und das ich vielleicht auch irgendwann mit kellerasseln und wanzen freundschaft schließen kann. Das hätte dann auch den vorteil, dass wenn ich wieder zurückkomme, ich meinen freundeskreis in meinem klo unten stark erweitern könnte.

Schönen abend noch!

Eure ständig nervöser werdende bääääggggiiii

hier noch ein foto mit seema, ährisch und mir (reihenfolge selbst erschließen)

30.7.07 21:12
 


bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ährisch (31.7.07 14:03)
ein eintrag der extraklasse


ela (1.8.07 13:47)
hey cool!!!!ne echt, schaut voll lieb aus...und ä bäggi haste die haare rot???
krass konntest wohl mit den bunten farben net mehr warten bis indien...hehe



Bollo (3.8.07 07:56)
vllt solltest du jetzt schonmal mit deiner klobelegschaft freundschaft schließen, damit du fr indien gewappnet bist


bäggi (3.8.07 12:24)
tja die hab ich leider grad gestern vernichtet. extra für euch


Mike (3.8.07 19:00)
mmhhh, vieleicht solltest Du nächstes mal Deine "Füllwörter" einmal mehr überdenken.
Mich kotzt es an .......... 16 Jahre ist es her und Du schreibst so ein Unfug.
Wahnsinn was man sich so im Golden Westen erzählt.


Christina (4.8.07 19:29)
sau cool geschrieben... diene haare sind ja geil!!!! bäggi ich will dihc noch mal drücken..
hab dich lieb


bäggi (5.8.07 23:08)
hey mike! schön dass du so ehrlich bist. zu meiner verteidigung muss ich sagen, dass ich manchmal dazu neige, ein wenig zu übertreiben um damit die ganze sache wieder ins lachhafte und teilweise auch unrealistische zu ziehen. ich will damit weder jemanden persönlich verletzen, noch , in bezug auf die ddrgeschichten, ein falsches bild von der wirklichkeit liefern. genauso gut mache ich mich in meinen berichten über meine eigene heimat und mich selbst lustig, wenn ich mich beispielsweise als oma bezeichne. für mich ist karikatur ein gutes mittel, um ärgerniss oder irritation zu humor umzuwandeln, und das negative oder fragliche damit zu verarbeiten. vielleicht geh ich damit manchmal ein bisschen zu weit..
gut, dass du diesen kommentar geschrieben hast, denn somit kann ich das nochmal für alle klarstellen.
vor allem für meine fastschwiegermama, die auch aus der ddr kommt. sie hat den vorteil, dass sie mich ein bisschen besser kennt und dadurch hoffentlich weiß, wie*s gemeint ist
liebe grüße nach berlin!


Mike (13.8.07 07:12)
Hi Bäggi,

nix für ungut, hab solch einen Unfug nur leider schon zu oft gehöhrt ansonsten hätte ich wahrscheinlich auch gelacht.
Da ich viele nette Leute aus der ehemaligen DDR kennengelernt habe, habe ich bei solchen Geschichten immer ein bisschen Bauchweh.
Richtig aus war dann nur als ich noch vom 2.WK gelesen habe.
Hab Dich Lieb und bin erstaunt wie "Gross" Du geworden bist .

Viel Spass in Indien von Connie, Nick und Mike.

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