~~~* SUMMERTIME *~~~



Die Deutschen - ein seltsames Volk

Es ist Frühling.
Schon allein dieses Aussage lässt darauf schließen, dass ich mich wohl wieder in Deutschland befinden muss. In Indien gibt es nämlich keinen Frühling. Das heisst, es gibt ihn wohl schon. Genauso wie es angeblich einen Winter und einen Sommer gibt. Als ich da war, hab ich das auch alles geglaubt und mir sogar eingebildet, den Wechsel der Jahreszeiten zu spüren. Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin, wird mir klar dass Frühling, Herbst und Winter in Indien wohl ein Gedankenimport aus dem Westen war. In Europa kann man spüren, wie es jeden Tag ein wenig wärmer wird. Man rennt mit einem dicken Wintermantel und Schal rum, sieht seinen Atem beim ausatmen, kann mit nem dicken Wollpulli neben der Heizung chillen und dem Schnee zusehen, findet es morgens ekelhaft, aufzustehen und sich mit kaltem Wasser zu waschen und beschwert sich ständig, es sei doch viel zu kalt. Und plötzlich merkt man mittags nach der Arbeit, man braucht gar keinen dicken Mantel mehr. Stattdessen freut man sich über die ersten Sonnenstrahlen, die hinter den Westerwälder Dauerwolken hervor blitzen, den Springbrunnen, der plötzlich vor sich hinblubbert und das Eiscafé, das nach langer Zeit wieder aufgetaut ist und seine Tische und Stühle neben dem blubbernden Brunnen ausbreitet. Die Blumen beginnen zu duften, und von deren Duft betört werden auch die Menschen wieder freundlicher. Man kauft voreilig Grillfleisch ein denn nach solch langem Warten darf man nun keine Zeit mehr verlieren. Alle putzen wie verrückt ihr Auto, denn die Autofenster anderer Menschen sind ja nun nicht mehr vereist oder verdreckt, und jeder kann wieder staunen, was man doch für einen tollen Wagen fährt. Aber das Beste an dieser Jahreszeit ist eindeutig die Luft. Und wie ich jetzt gelernt habe, ist überhaupt das Beste an Europa die Luft. Und das nicht nur zu dieser Jahreszeit.

Als ich auf dem Flughafen in Paris ankam, war ich ich wirklich überfordert. Unser Flug hatte - wie alles in Indien, oder was aus Indien kommt - Verspätung gehabt. Wir waren von Bangalore aus schon bereits 45 Minuten später abgeflogen. Planmäßig hätte das Flugzeug um 8 Uhr in Paris landen müssen, und mein Anschlussflug wäre um 9 gewesen. Der O-Ton des Flugkapitäns nach der Landung: "Wir haben nur eine Viertelstunde Verspätung und genau 8 Uhr." Alle brachen in Begeisterung aus, aber irgendwas machte mich stutzig. Viertelstunde Verspätung und trotzdem sinds 8 Uhr? Als ich rauskam, war mein Anschlussflug komischerweise weg und auf allen Uhren stand dick und fett 9 Uhr 10. War wohl Inder der Kapitän, und hat die Umstellung auf Sommerzeit komplett ignoriert. Sommerzeit? Was isn das? Sommer ist doch das ganze Jahr...

Mit dem letzten Verspätungsmitbringsel aus Indien also auf zum Flugumbuchen. Von nun an vollzogen sich wahre Wunder. Ich fand einen Schalter mit vier Frauen auf. Vor diesem Schalter befand sich etwas überaus Merkwürdiges. Als ich mich hinter all den Menschen anstellte, brauchte ich ein wenig, um zu bemerken, was so ungewöhnlich war: Ich befand mich mitten in einer WARTESCHLANGE. Mehrere Menschen standen sorgsam hintereinander gereiht vor dem Schalter und immer derjenige am vorderen Ende der Schlange durfte sich mit der nettaussehenden Servicefrau unterhalten. Zwischen der Servicefrau und dem vorderen Ende der Schlange befand sich ein Sicherheitsabstand von bestimmt zwei Metern, der durch eine Linie markiert war. Und dieser Sicherheitsabstand wurde doch tatsächlich freiwillig von dem vorderen Ende der Schlange eingehalten! Ohne Absperrung, ohne korrupten Beamten mit Knarre in der Hand und ohne auch nur einmal rumzumurren! Unglaublich. Und das ist noch nicht genug. Im restlichen Teil der Schlange wurde zwischen jeder einzelnen Person nocheinmal ein kleiner Sicherheitsabstand bewahrt, man könnte auch von einer respektierten Intimsspäre sprechen. Und das auch noch ohne Markierlinie dazwischen! Das System ging noch weiter. Die vier Servicefrauen saßen direkt nebeneinander, so ging der Vorderste der Schlange zu Frau Nr. 1, der danach kam zu Frau Nr. 2 und so weiter. Durch das 4-Schaltersystem musste man nicht lange warten, bis man an der Reihe war. Und durch den Sicherheitsabstand durfte man mit der Frau solange quatschen bis auch die letzte Frage geklärt war, ohne Angst zu haben, gleich von hinten weggekickt zu werden. Kurz gesagt, man kam aus der ganzen Sache heraus, ohne einen einzigen blauen Flecken am Körper aufweisen zu müssen und mit Informationen so vollgepumpt, dass man das Gefühl hatte, man wäre nun in der Lage, selbst den Anschlussflug zu starten.

Schon bald traf ich Weltwunder Nr. 2. Die Frage nach einem Telefon endete in einem - mir schien es - zwanzigminütigen Referat. "Gehen Sie dahinten links, dann die Treppe hoch, den rechten Gang entlang, dort müsste es sich auf der linken Seite befinden." Bitte? Wie soll ich mir das alles merken? Normalerweise hat so'n Telefon doch straight, straight zu sein. Schon fast kleinlaut sagte ich "Thank u" (die Inder machen sich immer lustig über das Höflichkeitsgetue der Westler), als mir doch tatsächlich ein fettes "You're welcome" mit freundlichem Grinsen hinterhergeschmettert wurde. Das war gerade eine exakte Wegbeschreibung ohne undefinierbares Kopfschütteln und man hatte sogar noch den Eindruck, als hätte das Gegenüber TATSÄCHLICH gewusst, worum es bei der Frage ging. Mit meiner gerade erhaltenen Map24 Auskunft im Gehirn begab ich mich auf den Weg zum Telefon und fand es im ersten Anlauf. Wofür haben die Europäer eigentlich Navigationssysteme in
ihren Autos, wenn man Hinz und Kunz nach dem Weg fragen kann. Etwas weiteres fiel mir während der Suche nach dem Telefon auf. Nicht nur die Wegbeschreibung ließ mich mein Ziel direkt finden, sondern auch das Telefon selbst strahlte mich in diesem leeren Gang geradezu an, dass ich nicht hätte vorbeilaufen können. Es gab keine Kuh, die sich vor es gestellt hatte, keine Schar Kinder die es zum spielen benutzte und kein Müllberg, der es verdeckte. Überhaupt leerer Gang. Überhaupt Gang. Für solche Spirenzien hätten die Inder überhaupt keinen Platz. Ein Raum, der lediglich dazu dient, in einen anderen Raum zu gelangen. Was für ein verschenkter Erdnussgrillort, Bananenstaudenerdfleck, Müllplatz, Feuerstelle, Wohnraum, Rikshawparkplatz, Orangenversteck, Nähmaschinenplatzierungsort. Wo in Indien die Menschen mit einem deutlichen Minderwertigkeitskomplex verzeichnet sind, weil es von ihnen eine Milliarde gibt, dürfte hier in Europa der verfügbare Raum die Oberhand über die Anzahl der Menschen haben. Mit diesem Phänomen sollte ich mich später noch des Öfteren beschäftigen.

Ich stolzierte zur Handgepäckkontrolle, als mich doch so'n uniformierter Spinner schon wieder anquatschte: "any cream or shampoo? - Irgendwelche Creme oder Shampoo?" Ich hab gedacht, ich hör nicht richtig und schrullte ein lautes "No, no!" zurück. Gerade aus dem Flugzeug raus und schon soll man wieder irgendwas kaufen. Ein Mitreisender machte mich womöglich aufgrund meines entsetzten Tonfalls darauf aufmerksam, dass die bloß wissen wollen, ob ich ne Zahnpastatube im Handgepäck habe, die da nicht hingehört.

Das Flughafengelände selbst sah sehr futuremäßig aus. Hohe Glaswände erstreckten sich die Wartehalle entlang durch die man die Flugzeuge beobachten konnte. Vor den Aussichtswänden waren Massagesessel angebracht, aus denen man einen noch bequemeren Blick nach draußen hatte. Es gab zwei kleine Café's, in denen man für unmenschliche Preise eine Dose Cola erwerben konnte. Für den Preis hätte ich mir in Indien zwei ganze Mittagessen samt Getränk und Nachtisch leisten können. Mein umgebuchter Anschlussflug sollte in fünf Stunden gehen und das Wasser und das Minisandwich, was ich als Entschädigung bekommen hatte, waren schon verspeist. Euros besaß ich keine und ich war gerade am überlegen, wie ich fünf Stunden ohne Wasser aushalten sollte, als es mir siedendheiß einfiel: Es gibt ja trinkbares Leitungswasser!! Wie geil ist das denn? Trinkbares Wasser,abholbar am Klo, völlig umsonst, und dennoch gab es zahlreiche Freaks die sich für 3 Euro Wasser inner Flasche im Café holten. Vielleicht fanden sie den Verkäufer geil oder warn scharf auf die Flasche. Was weiß ich. Mein Gang auf die Toilette löste bei mir wahre Glückshormone aus. Und das nicht nur aufgrund der gefundenen Wasserquelle und der Erleichterung meiner Blase. Es gab dort riesige Spiegel, in denen man sich vollständig betrachten konnte. Seifenspender standen gefüllt bereit und die Wasserhähne blitzten im Glühbirnenlicht. Auf der Toilette selbst (die natürlich ein Sitzklo war) gab es in großen Mengen Klopapier. Der Boden war sorgsam geputzt und man hatte keinen Grund, seine Hose hochzuhalten um sie nicht schmutzig zu machen. Ich hatte gerade eine großzügige Portion Klopapier abgerissen um sie auf der Klobrille auszulegen, als ich sah, dass sich kein einziger Tropfen Urin auf der Brille befand. Der Spülkasten schien ebenfalls zu funktionieren denn ich konnte weder verfärbtes Wasser noch Darmausscheidungen entdecken und irgendwelche Deppen schienen gar die Klobürste zu benutzen. Also weg mit dem Klopapier. Einen kleinen Nachteil an europäischen Klo's gibt es nun leider doch zu vermerken: Es ist sehr leise. Keine Frauen, die laut rumerzählen, ihre plärrenden Säuglinge im Schlepptau. Keine Hupkulisse von draußen. Da werden einem leider keine Peinlichkeiten erspart, wenn man Durchfall hat. Danach durfte ich dann beim Händewaschen mein hochrotes Gesicht im Spiegel entdecken, aber dafür auch feststellen, dass ich nach acht Monaten Indien endlich mal nicht mehr die Blasseste war!

Ich kam mir sogar richtig braun vor. In einer Masse aus weißen Menschen saß ich in der Wartehalle und es interessierte sich einfach kein Arsch dafür, was ich tat. Ich konnte lesen, Musik hören, einpennen, einfach nur dummrumgucken. Ich konnte sogar sitzen wie ich wollte, mit überschlagenen Beinen oder tief in den Sitz gefallen, ohne dass mich jemand des aufreizenden Verhaltens bezichtigt hätte. Ich hätte aufstehen können und wild um meinen Sitz herumspringen, rauchen und Bier saufen, mir einen Bikini anziehen können, es hätte niemanden auch nur die Bohne interessiert. Alle sahen so beschäftigt aus. Es war eine plumpe Wartehalle, aber statt Sinn und Zweck der Halle zu erfüllen und einfach nur zu warten, erweckte jeder den Eindruck, als würde er sich gerade auf die wichtigste Stunde seines Lebens vorbereiten. Sie lasen eifrig in ihren Büchern und Magazinen, machten sich Notizen auf einem Block, führten mit ernster Miene Gespräche an ihrem Handy, tippten eifrig auf ihrem Laptop und rannten in sagenhaften Tempo von Cola- zu Sandwichständen. Es schien, als wäre jeder in seiner eigenen Welt gefangen und bewege sich in einer unsichtbaren Zelle hin und her. Genau, unsichtbare Zellen! Das war wohl auch der Grund für diese unsagbar reine Luft. Wie kann Luft nur so sauber sein und egal, wo man sich gerade befindet, immer geruchslos bleiben? Die armen Menschen sind in ihren Zellen wahrscheinlich vor lauter Körperausdunstungen erstickt, denn draußen war nämlich nichts zu riechen. Und es gab sogar Behälter, in denen man seinen Müll deponieren konnte. Und das auch noch an jeder Ecke. Die unsichtbaren Zellen führten wohl auch dazu, dass keiner mehr in der Lage war, seinen Mund aufzumachen. "What's your name, You're from which place, How you like France - Wie heißt du, Woher bist du, Wie findest du Frankreich?" schien irgendwie keinen zu interessieren. Mein tiefgründigstes Gespräch in diesem Aufenthaltraum thematisierte den damaligen Stand der Uhrzeit und war damit auch schon wieder beendet.

Nachdem das Flugzeug noch auf mich warten musste, weil ich nach dem Einsteigen bemerkt hatte, dass mein Bass noch in der Wartehalle unter meinem Sitz schlummerte, gings endlich nach Düsseldorf. Mit meiner Sitznachbarin verständigte ich mich auf Englisch, weil sie französischen Wein trank und ich in einer französischen Zeitung blätterte, bis wir nach der Landung feststellten, dass wir beide aus Deutschland waren. Sie erzählte mir, dass sie doch schon 12 Stunden Flug von sonstwas hinter sich hätte und was das denn für ein Stress wäre. Als ich ihr meine Flugstrecke erzählte, war sie völlig entsetzt: "WAS? 5 Stunden Wartezeit? Das gibt's doch nicht. Da haben Sie ja eine noch schlimmere Strecke hinter sich als ich!" Komisch, diese Deutschen. Die 8 Stunden Flug hab ich gar nicht bemerkt. In 8 Stunden wär ich in Indien noch nichtmal von Bangalore nach Dharwad (400 km) gekommen, aber im Flugzeug schon von Bangalore nach Paris und das auch noch mit
brandaktueller Kinounterhaltung in meinem eigenen kleinen Fernseher! Und was sind schon 5 Stunden Wartezeit? Ich denke da an die zwei Tage Zugreise von Delhi in den Süden, bei der das Gefährt manchmal mitten in den Feldern anhält und man stundenlang wartet, bis es seinen Weg fortsetzt.

Und schliesslich war es dann soweit. Nach acht Monaten Sommer erreichte ich das kalte Deutschland, wo alle mit Schal und Mantel umherrannten. Meine beiden Eldies und der Ährisch holten mich am Flughafen ab und ich hab mich natürlich derbe gefreut! Der erste Kulturschock war eine Frau am Flughafen, die im übelsten Ruhrpottdialekt laut herumdiskutierte. Wir liefen zum Parkhaus und meine Mama drückte mir erstmal ne Fleischwurst mit Senf in die Hand. Willkommen in Deutschland! War saulecker, auch wenn der Senf seltsam unwürzig war und eher wie ungezuckerte Sahne schmeckte. Und ab auf die Autobahn, war das geil, die ganzen blauen Schilder wiederzusehen. Der Himmel war strahlend blau, die Sonne schien und es schien mir schwer vorstellbar, dass es die selbe Sonne sein musste, die ich tags zuvor noch in Indien gesehen hatte. Wie kann sie auf all die Rikshaws in den überfüllten, zauberhaftbunten Straßen Indiens und gleichzeitig auf die blankgewienerten Mercedes auf Deutschlands grauen Autobahnstrecken scheinen? Es fühlte sich so frisch an, Auto zu fahren, und ich wusste gar nicht, warum. Seltsam leise war die Fahrt. Achja richtig, auf den Autobahnen hier gibts nur selten Schlaglöcher. Aber das konnte doch nicht alles sein. Schließlich fuhr ein Auto vor uns und genau auf dem Streifen zwischen zwei Spuren. Mein Papa drückte kurz auf die Hupe und in diesem Moment fiel es mir wieder ein: Die Hupe fehlte! Deswegen war hier alles so leise. Begeistert rief ich "Ja, gleich nochmal!". Mein Papa dachte, ich hätte es ironisch gemeint und gab zurück "Ich musste ja jetzt wohl mal auf die Hupe drücken!". Eine Rechtfertigung für einen Huper. Wenn das die Inder wüssten.. Auch das Tempo bereitete mir ein wenig Angst. Auf indischen Autobahnen war die Höchstgeschwindigkeit 70 Kmh gewesen, in den Städten blieb einem nichts anderes übrig, als 20 oder 30 zu fahren. Aber auf der anderen Seite war alles so leer. Vorher hatte ich mir noch Gedanken gemacht, ob ich mich direkt wieder ans Autofahren trauen würde, aber das ist ja wohl ein Witz. Es sind so gut wie keine Autos auf der Straße, die Leute halten sich meist an die Verkehrsregeln (ja, es gibt hier Verkehrsregeln!) und es existieren sogar Schilder mit der Aufschrift "Straßenschäden". Ha,ha. Am Anfang hab ich mich noch gefreut bei deren Anblick und dachte, ich könnte auf den nächsten Metern ein kleines indisches Feeling erhaschen. Doch bei den sogenannten "Straßenschäden" ist noch nichtmal mein Arsch in die Höhe geflogen, ganz zu Schweigen davon, dass mein Kopf an die Decke gestoßen wäre. Langweilig, die Straßenschäden hier. Ich finde, man sollte die Schilder in ganz Deutschland abmontieren und in Indien wieder aufbauen. Lustig finde ich hier auch die Ampeln. Ampeln für Straßenkreuzungen wie beispielsweise in Montabaur, die doch sowieso komplett leer sind. Und am Geilsten ist dann, wenn ne Ampel auf Rot ist, die übrigen Straßen außnahmslos leer, und die Deutschen trotzdem anhalten. Wie fett ist das! Eine Straße ist leer und man hält an, nur weil ein rotes Lämpchen aufleuchtet. Das klingt ein bisschen nach "Reise nach Jerusalem". Statt dem Cassettenrekorder steht da der Polizist, der das Lämpchen anmacht. Und wer sich kein Plätzchen sichert, fliegt raus ausem Verkehr. Ich muss mir jedesmal derbst einen abgrinsen. Überhaupt ist es interessant, eine Straße zu beobachten. Würde man mit Maßbändern den Abstand zwischen den vorbeifahrenden Autos messen, käme man auf das Ergebnis, dass dieser zwischen allen Autos fast peinlich genau der gleiche ist. Wie bekommen die Deutschen das nur hin?

Wir kamen in Herschbach an. Als ich aus dem Auto stieg, fasste ich mir ein paar mal an meine Ohren. Irgendwas konnte doch nicht stimmen. Was ich hörte, war nichts. Einfach nur nichts. Völlige Stille. Nocheinmal drückte ich an meinen Ohren herum. Aber es blieb dabei. Es war Montag spätnachmittag und einfach nur still. Das konnte einen ja wahnsinnig machen. Wo waren all die Leute? Es konnte doch nicht sein, dass es im letzten halben Jahr über 3000 Todesfälle gegeben hatte und nur meine Eltern überlebt hatten. An der Wohnzimmertür in unserem Haus hing ein HerzlichWillkommen aus einer Milkapralinenschachtel und Russisch Brot, genial!! Ich bekam direkt Besuch und sogar meine Sista samt family kam vorbei und es gab nen diggen Fantakuchen.. Irgendwie isses ja doch schön, nach Hause zu kommen. Als ich am nächsten Morgen in die Küche kam, fühlte ich mich leicht geblendet von den Fließen und dem Frühstücksgeschirr, was da so vor sich hinblinkte. Nicht nur meine Eltern, sogar das ganze Besteck strahlte mich an und ich musste ein paar mal blinzeln. Ist sowas in Deutschland normal oder ein Fall von Sauberkeitsfimmel? Mit Ährisch machte ich einen Sparziergang durch das mir seltsam vertraute "häschbisch". Alles war so groß, so leer, so leise. Es gab keine Menschen auf den Straßen und man hatte einfach unglaublich viel Platz. Wir konnten uns unterhalten, ohne uns gegenseitig anzuschreien. Wir schwebten geradezu auf der Hauptstraße entlang, und ich wurde kein einziges Mal angefahren. Keine Kuh, keine Rikshaw, kein Moped unterbrach unser Gespräch. Gefühl von absoluter Freiheit. Der Wagweiher blitzte und funkelte und selbst der Steinweg drumherum kam mir so glatt vor. Ich konnte das erste mal in meinem Leben verstehen, warum es Menschen gibt, die in solchen Gegenden Urlaub machen. Erholung pur. Und auch hier wieder: Luft! frische, kühle, nach Tannen duftende Frühlingsluft. Man sollte sie in Plastiktüten packen und in Indien verkaufen. Ist bestimmt ne Marktlücke.

Die ersten Tage in Deutschland waren sehr komisch. Ich kam zurück mit einem Koffer vollgestopft mit Erlebnissen, guten wie schlechten, Tagen voller Wunderlichkeiten und Überraschungen. Und plötzlich war ich wieder hier. In Herschbach im Westerwald in Deutschland und nichts schien sich verändert zu haben. Ich war acht Monate lang weggewesen, hatte mit sovielen Menschen geredet, soviele Orte betrachtet, und meinem Bett schien nix besseres einzufallen, als immer noch am selben Fleck zu stehen. In meinem CD-Player lag die selbe CD wie ein halbes Jahr zuvor und in meinem Bad glotzten mich immer noch die gleichen Gesichter von den gleichen alten Fotos an. Man hat das Gefühl, um soviele Erfahrungen reicher und erwachsener geworden zu sein, und plötzlich fühlt man sich in seinem eigenen Zimmer wie ein Gefangener in der eigenen Vergangenheit. Vielleicht klingt es zu brutal und man sollte nicht vergessen, dass ich mich durchaus wohl fühle, wieder hier zu sein. Aber dennoch ist es etwas sehr Merkwürdiges, zurückzukehren. Ich hatte ehrlich gesagt nicht viel Lust, viel über Indien zu erzählen. Die Leuten fragten, wie es in Indien war. Was soll ich sagen? "Schön." Ein paar Anekdoten, ein paar Eigenarten der Inder. Das war's. Mehr interessiert sie auch gar nicht. Und das Gespräch lenkt sich wieder auf andere Themen, auf die Nachbarin im Altenheim, auf ein neues Café am Marktplatz, auf die diesjährige Kirmes, auf den Zahnarzttermin, auf das, was es morgen zu essen gibt. Es soll nicht so klingen, als empfände ich all diese Themen als nebensächlich und nicht erwähnenswert. Aber es sind genau diese Momente, in denen einem bewusst wird, dass das Leben, welches man noch bis vor wenigen Stunden hatte, nicht mehr weiter existiert. Es fühlt sich an, als hätte man soeben etwas zu Grabe getragen. Man denkt, das kann doch nicht sein, wo ist Indien, wo sind all die Menschen dort, wo ist das Guesthouse, wo ist das Behindertenheim, wo sind die Leute vom Office, wo sind die überfüllten Bahnhöfe, muss ich mir nicht gleich ne Rikshaw zur Arbeit nehmen? Von Jetzt auf Gleich ist alles weg, und die einzige Überlebende war scheinbar ich. Gestrandet auf einem seltsamen Planeten, dessen Bewohner das Wort "Indien" nur mit ungewürztem Chicken Curry aus dem sauberen Lokal nebenan verbinden, mit Mutter Theresa und roten Punkten auf der Stirn, und für die Indien womöglich auf ewig ein unendecktes Feld bleiben wird, denn dass das für Europäer wohl unauffindbar ist, das hat ja Kolumbus schon damals bewiesen.

Mit der Zeit lebt man sich jedoch auch im kalten Deutschland wieder ein. Mir macht es Spaß, die Welt mal aus einer etwas anderen Perspektive zu betrachten. Ich gehe morgens durch das Zentrum Montabaurs und erfreue mich an den vielen Fachwerkhäusern. Menschen sieht man nur wenig auf den Straßen. Wenn man welche sieht, huschen sie eilig vorbei. Ich mag den Anblick der dicken warmen Wintermäntel und der Schals. Der Bäume, die nun langsam wieder ein wenig Grün zeigen. Ich mag es, meinen Atem sehen zu können. Ich liebe den Duft der Tannen und der Blumen, das hörbare Vogelgezwitscher, den Geruch nach frischen Brötchen, der am frühen morgen aus den Bäckereien in die Straßen strömt. Ich mag das Kopfsteinpflaster, den Brunnen und das alte Rathaus. Ich mag das Gefühl, mich frei bewegen zu können. Und ich mag sogar die Stille, manchmal.

Eines Morgens ging ich in eine Bäckerei und bestellte mir ein Apfelteilchen. Die dreieckigen Teilchen waren mit der Spitze nach unten sorgsam hinter der schrägen Glasscheibe der Theke aufgereiht. Nachdem die Verkäuferin mir mein Frühstück eingepackt hatte, meinte sie zu ihrer Gehilfin: "Die liege falsch rimm, die apfelteilcha. die gehern annerscht rimm. - Die liegen falsch rum, die Apfelteilchen. Sie gehören anders herum." Die andere junge Frau guckte erschrocken, darauf meinte die Alte: "Net ofrege, net ofrege. mer mache dat schon. - Nicht aufregen, nicht aufregen. Wir machen das schon." Deutschland hat schon was Komödienhaftes. In Indien werden mit dreckigen Fingern am Straßenrand zwischen Kühen und deren Kacke die Chapati in die Pfanne gehauen. Beinamputierte Kinder robben durch den Zug und versuchen sich ein paar Rupees zu verdienen, indem sie unter den Sitzen den Dreck wegputzen. Omas klettern mit letzter Kraft auf die Dächer überfüllter Busse. Dürre Männer ziehen Karren mit Dutzenden von schweren Reissäcken über die Straße. Es gibt Menschen, die im Müll wühlen um etwas Essbares zu finden. Und in Deutschland wird über die korrekte Ausstellung von dreieckigen Apfelteilchen hinter der Glasscheibentheke diskutiert. Tomaten müssen EU-maße erfüllen. Babys können von nun an in den Genuß eines speziell aufbereiteten Trinkwassers kommen, keimfrei abgefüllt für die Zubereitung von Brei und Milchnahrung. Im Krankenhaus muss man sich nicht nur auf der Intensivstation mit Desinfektionsmitteln die Hände waschen. Im Sommer bloß dick eingecremt mit Kappe und langen Ärmeln rausgehen. Und Pommes und Chips sind ja sowieso krebserregend. Heruntergefallenes Essen wandert in den Müll, da es gerade in Deutschland ja unglaublich dreckig auf den Straßen ist. Und bloß die Kinder nicht noch in diesem "Dreck" spielen lassen, sie könnten sich ja was einfangen.

Viele Menschen meinen, sie könnten nie und nimmer nach Indien gehen, da sie den Anblick der vielen Armut nicht ertragen würden. Auf der einen Seite kann ich dies bestätigen. Auf der anderen Seite kann ich von mir selbst aus nur sagen, dass ich noch so viel Mitleid empfunden habe, wie jetzt, seitdem ich wieder in Deutschland bin. Ich habe permanent ein schlechtes Gewissen. Die vielen alten Menschen, die Tag für Tag alleine in ihrer viel zu großen Wohnung leben. Die Zeitungsverkäuferin in ihrem Laden, die extra so früh aufgestanden ist, und nun bleibt ihr kleines Geschäft doch wieder unbesucht. Ein eingesperrter Hund, der in seinem winzigen Zwinger losbellt, wenn nur mal ein Auto die einsame Straße entlangfährt. Oder der kleine Junge mit seinem Fahrrad, verloren in der endlos leeren Straße. Denn Freunde in seinem Alter findet er kaum. Wir mussten viel opfern, um frei und unabhängig zu werden.

Wie man liest, meine Gefühle sind durchaus sehr gemischt. Natürlich fallen mir nun viele negative Eigenschaften Deutschlands sehr ins Auge. Aber ich darf nicht vergessen, dass ich tatsächlich ein großes Maß an Freiheit zurückerhalten habe. Ich habe wieder ein Klavier und einen Bass, und somit ein Hobby, ein Begriff, der in Indien eher unbekannt ist. Ich bin als Frau weitgehend gleichberechtigt und kann bis zum frühen Morgen Party machen. Ich bin stolze Besitzerin eines Führerscheins und Essen ist nun nicht mehr das Hauptthema in meinem Leben. Ich kann auf meiner Anlage Musik hören, so laut ich möchte und die Leute finden es nicht ungewöhnlich, wenn man einen Ausschnitt im T-Shirt hat. Ich darf sogar mit dreckigen Klamotten rumrennen und es als "Fashion" bezeichnen. Ich muss mich auch nicht mehr dafür schämen, kein Patriot zu sein.

In positiven, wie auch in negativen Dingen hat Indien mir geholfen, alles mal aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Umfeld mit anderen Augen wahrzunehmen. Und ich hätte nie gedacht, dass das Verhalten der Deutschen manchmal so unglaublich komisch sein kann..

In diesem Sinne: Es gibt noch viel zu entdecken!
Ne kuschelige Nacht und warme Socken wünscht euch
die zurückgekehrte Bääääggggiiii (bäg bäg bäg to görmänyyy)
27.4.08 14:46


Damn this traffic jam... (nach einem Song der „new york voices“

Das Chaos hat einen Namen: Delhi. Oder sollte ich besser sagen: Indien??? Wenn man den Aussagen meiner Schwester glauben darf, so wäre die zweite Variante die korrektere. Aber wie auch immer: sobald man den ersten Fuß vom Treppenabsatz auf die „Straße“ (die man oft gar nicht immer als solche überhaupt zu erkennen vermag...) setzt, ist man auch schon mittendrin. Und für mich, die ich gerade erst in Indien angekommen bin, bedeutet das zweifelsohne: ich befinde mich ab sofort in Lebensgefahr. Denn der Verkehr in Indien ist – zumindest was den Verkehr in indischen Städten betrifft – für uns ordnungsgewohnte Deutsche das schiere Chaos. Alles, aber auch wirklich alles begegnet einem. Und das aus allen Richtungen und in allerlei Formen: Menschen in allen Variationen (alt, jung, klein, groß, dick, dünn, mit oder ohne „Bauchladen“, Taschen, Rucksäcken, Babys, Hunden, etc.), Rikshaws (sowohl Auto-Rikshaws, als auch die traditionellen Fahrradrikshaws), Taxis, Fahrräder, Mopeds und Motorräder (letztere laut meiner Schwester die absolut Gefährlichsten, da sie keine Rücksicht auf Deine Füße nehmen und im Zweifelsfalle wohl eher drüber fahren als bremsen würden...). Man begegnet auch allerlei Getier, insbesondere wilden Hunden und – tja, wer das für ein Klischee gehalten hatte, wird hier ohne Zweifel eines Besseren belehrt – freilaufenden Kühen!!! Sie befinden sich einfach überall, meist aber dort, wo sie in der Nähe von irgendwelchen Fressbuden oder Marktständen in den Müllbergen etwas Essbares vermuten. Und meine Schwester erzählt mir gerne die story, dass ein Gemüsestandbesitzer zwar die Kühe immer verjagt, wenn sie an seinem Salat knabbern und die Touristen das zufällig sehen – dass er aber im weiteren Verlauf kein Problem damit hat, den angeknabberten Salat dennoch zu verkaufen... Für Deutschland schier unvorstellbar.

Und als wäre das alles nicht schon genug, wird man in all dem Chaos auch noch ständig von Indern angequatscht: seien es nun Bettler oder Kinder, die dein Geld wollen oder aber alle Sorten von „Verkäufern“ oder „Dienstleistern“, die für eine entsprechende Gegenleistung natürlich ebenfalls dein Geld wollen. Nicht, dass ich dafür kein Verständnis hätte, ganz im Gegenteil, es ist nur so, dass es mich innerhalb dieses Verkehrschaos einfach völlig überfordert hat.

Denn es wird ja noch mehr geboten: wer sich die gesamte Szenerie nach meinen bisherigen Beschreibungen so vorgestellt hat, füge nun noch in Gedanken einen gehörigen Lärmpegel hinzu, der aus allerlei bunten Geräuschen besteht: lauter – und natürlich unterschiedlicher! – Hindumucke aus diversen offenen Läden heraus, palavernde Inder, die in allen Tonlagen zuhause sind, Kinderrufe, Motorengeräusche und über allem ein ständiges und penetrantes Hupen. Überhaupt scheint die Hupe in Indien das mit Abstand wichtigste Utensil eines jeden Fahrzeugs zu sein. Als Europäer fragt man sich zwar, ob da noch irgendeiner überhaupt irgendetwas unterscheiden kann oder in all dem Tumult eine Ahnung hat, woher die Hupe gerade kam und für was und wem sie gegolten haben könnte, aber seis drum: ohne geht’s nicht.

Ja, und wenn man jetzt noch dem Ganzen ein gehöriges Tempo hinzufügt, dann kann man sich in etwa vorstellen, was ich gerade versucht habe zu schildern. Ach nein, ich revidiere: man kann es sich NICHT vorstellen, ganz ehrlich: man muß es erlebt haben!

Und bei alldem sich durch das Chaos zu bewegen und einer indien-erprobten Schwester zu folgen, die einem auch noch munter irgendwelche Stories erzählt und gar erwartet, dass man zuhören und vielleicht auch noch am Gespräch teilnehmen kann – das ist schier unglaublich. Ach so: das meinen sie alle mit „incredible India“. Kapiert.

Richtig lustig wird’s dann aber erst, wenn man sich auf die wirklich geteerten Hauptstraßen begibt (meine bisherige Schilderung bezog sich mehr so auf eine Nebenstraße, sozusagen wie in Deutschland eine Fußgängerzone, nur eben nicht nur für Fußgänger...;-))). Denn hier legt Indien noch einen Zahn zu: Auch LKW, Busse, allerlei Gefährte mit Anhängern kommen reihen sich hier noch ein- oder besser gesagt: schieben sich dazwischen, denn von einreihen kann natürlich in Indien keine Rede sein. Und natürlich gibt es KEINE Fußgängerüberwege. Macht auch nix. Man würde die Markierungen ohnehin nicht sehen, da sich ständig der Verkehr darauf befindet. Will man also die Straße überqueren, ist es gut, eine mittlerweile chaosresistente Schwester dabeizuhaben (möglicherweise eignen sich auch andere Verwandte dafür, dass muß dann jeder selber ausprobieren) und ihr zu folgen. „Am besten nicht rechts und links gucken“, meint sie, „einfach gehen – die halten schon an“ – Aha! Wirf einfach die Regeln, die du in deiner Kindheit erlernt hast, getrost über Bord, sonst kommst du in Indien nie über die Straße...So long, das kann ja eine heitere Woche werden...dachte ich mir. Und das wurde sie auch!

Eure Gastbloggerin: „Sista LeeZa“

 

 

 

nachtrag von baeggi: siehe dazu diesen link

 

 

8.4.08 23:36


muss i denn..

hallo alle miteinander!

ich schaetye, dies wird mein letyter blogeintrag aus indien sein. nachdem ich meine schwester yum flughafen gebracht hatte, blieb mir noch genau ein tag in delhi. ich war gerade mit dem besityer eines internetcafes ueber seine grosse liebe aus deutschland am quatschen, als ich miterleben durfte, wie ploetylich ein guru ins cafe kam und begann, den besityer yu hypnotisieren. er laberte bestimmt fuenf minuten ununterbrochen auf ihn ein, machte ein paar magische tricks und sahnte dabei immer mehr geld ab. ich hab erst gar nicht gerafft, was vor sich ging.

nach einer yweitaegigen, vor hitye kaum ausyuhaltenden yugfahrt, bei welcher ich mir das abteil mit einem indischen moslem, einem tibetanischen buddhisten und ywei koreanischen missionierenden christen teilen durfte, welches heftigste diskussionen ausloeste, kam ich dann schliesslich wieder unversehrt in bangalore an. ich war erstaunt, dass gar keine menschen auf dem bahnhof schliefen und auch ansonsten war alles irgendwie so sauber und geruchsfrei.

am samstag gings dann erstmal mit sascha und ywei neuen exchangees auf eine fette pardy und so wurde ich schon direkt wieder in den vollen bangalorelifestyle reingeschmissen. nachdem ich erstmal keinen platy yum schlafen hatte, da der landlord wieder stress machte, regelte icde dann schliesslich, dass ich die letyte woche doch wieder im guesthouse pennen darf. kann sie momentan echt wieder viel besser leiden, durfte sogar die ganye woche im office essen, obwohl ich ja eigentlich gar kein teilnehmer mehr von icde bin. sascha ist vor ein paar tagen nach goa gefahrn und seitdem chill ich jetyt uebelst mit paula und ywei andern exchangees im guesthouse. ist echt lustig und ich kann meine letyte woche hier sehr gut geniesen. am sonntag hat paula geburtstag, in den wir mit ein paar freunden reinfeiern werden. abends sind wir dann bei sheela und douglas (von icde) yum geburtstags- und abschiedsessen eingeladen.

tja, und danach gehts dann wohl oder uebel yum flughafen. erleb gerade staendig hochs und tiefs. auf der einen seite koennt ich gerade bei jedem netten inda anfangen yu flennen, auf der andern seite freu ich mich natuerlich auch schon derbst darauf, euch alle wiederyusehen!! es sind nur noch drei tage, echt unglaublich!! kanns mir noch gar nich richtig vorstellen, bald wieder baeg to gaermaeny yu sein.. wie is denn das wedda so? (diese frage hab ich mir noch behalten, standardausruestung eines deutschen

ahhhhhhhhhhhhhhhhhhh ich bin verwirrt!!
aba dennoch freu ich mich!! uebelst!!
also machts gut!!

ein letytes mal alles, alles liebe aus dem heissen indien!

muchos greetos, da baeggii

ps: freu mich schon derbst auf die ueberraschungspardy

 

28.3.08 16:50


agra und orrcha part 2

nach drei monaten ueberlebenskampf im dschungelcamp, weiteren drei monaten dauerpogo mit rikshaws, kuehen und korrupten beamten in einer megastadt und schliesslich einem monat nordindienreise, bei welcher man einen rucksack auf dem ruecken traegt der vollgestopft ist mit yugabenteuern, biyarren begegnungen und durchfallerkrankung, fragt man sich: was kann noch kommen? was kann man noch erleben in einem land dass man mittlerweile so gut yu kennen glaubt wie sein eigenes? ich meine, man hat sich doch schon das letyte halbe jahr 24 stunden am tag ueber diese verrueckte mentalitaet gewundert, muss es nicht irgendwann mal yu dem tag x kommen, mit welchem sich allmaehlich langeweile einschleicht, man das gefuehl hat "joo, kenn ich schon!", man daeumchen drehend und gaehnend am strassenrand sityt und sich denkt "alles klar, indien ist abgehakt." ?? doch je laenger ich in diesem land bin, desto mehr schleicht sich bei mir die leise vorahnung ein, dass dieser tag x vermutlich auf ewig ein hirngespinst meiner westerwaelderischen "su - dat haette maer aldmo!" (yu deutsch: so, das waer geschafft!) - mentalitaet sein wird. indien laesst sich nicht einfach abhaken wie ein sparyiergang um den wagweiher, ein einkauf bei edeka oder das aufstellen des alljaehrlichen kirmesbaums am marktplaty. auch wenn man schon ywanyig mal yug gefahren ist, es wird auch beim 21. mal wieder ein erlebnis sein, man wird weitere verrueckte inder kennenlernen mit ausgefallenen lebensgeschichten und schon allein der gang aufs klo kann ein naechstes abenteuer werden. in indien gibt es keinen alltag, keinen roten faden, keine gerade strassen, keine geltenden gesetye, nach denen alles geordnet ablaeuft. aber vor allem gibt es eins nicht: vorhersehbarkeit. dein tag wird niemals so ablaufen, wie du ihn yuvor geplant hast, denn indien ist vollgestopft mit neugierigen und kontaktfreudigen landsleuten, die alles ueber dich in erfahrung bringen wollen und dich im gegenyug ebenfalls mit ihren geschichten bereichern, vollgestopft mit hindernissen, die jeden tag yu einem kampf werden lassen, was wohl auch der grund sein mag, warum ich seit ich hier bin nie laenger als fuenf minuten yum einschlafen benoetige, und vollgestopft mit energie, die sprudelt und treibt, dass es niemals yum stillstand kommen wird. die strassen hier werden bei sonnenuntergang niemals so aussehen wie sie es bei sonnenaufgang taten. und das liegt wohl nicht nur an dem stand der sonne.

mit dieser erkenntnis konnte ich vor fast ywei wochen beruhigt einen weiteren gast am flughafen abholen: meine sista beruhigt in dem sinne, dass ich schon vorher wusste, sie wird auf jeden fall etwas erleben in indien, egal wie und wohin die reise verlaufen wuerde.
also, auf yum flughafen und meine schwester begruessen. hieryu muss ich sagen, dass diese einen nicht gany unbedeutenden einfluss auf die wahl hatte, meinen freiwilligenaustausch in indien stattfinden yu lassen. (ich verlange schadensgeld!! mit einem daheimgelassenen regal vollgestopft mit indienbuechern konnte sie sich nun endlich einen grossen traum erfuellen. final destination: delhi!
abgeholt von einer baeggi, die annaehernd jeder blonden frau am flughafen delhis aufgeregt yuwinkte, in der ueberyeugung, es sei ihre schwester, fuhr sie ueber den inbegriff von spiritualitaet und meditation: die schnellstrasse delhis, die man im dunkeln auch mit einer vermuellten B9 haette verwechseln koennen.

nach der willkommensheissung von mittlerweile vier gaesten kann ich mein referat ueber indische mentalitaet, wasserqualitaet und apfelsinenpreise sowie die ratgeber "wie lasse ich mich beim handeln nicht verarschen?" und "wohin mit meinem muell?" schon fast stotterfrei wiedergeben. desweiteren fuehle ich mich schon als eine art psysischen beistand beim die ersten tag lang andauernden kulturschock, welcher sich in fragen outet wie "wird die kuh davorne noch frueh genug dem taxi entweichen?" - "warum geht denn nirgendwo licht an, ist die sicherung draussen?" - "ist die luft hier krebserregend?" oder dem dauerbrenner: "wo ist denn das klopapier?"

schon bald machten sich meine schwester und ich auf den weg nach agra, etwas suedlich von delhi, wo es das sagenhafte taj-mahal yu besichtigen gibt. mein "ich beyahl doch nich 750 rupees fuer ein weiteres gebaeude" war grundlos. ich muss tatsaechlich yugeben, es ist ein einyigartiges bauwerk und ich haette niemals gedacht, dass ein paar steine eine solche ausstrahlung haben koennten. wir betrachteten, wie das taj-mahal sich morgens um sechs uhr allmaehlich von den nebelschwaden ringsrum befreite, in welchen es selbst wie eine wolke yu schweben schien, und schliesslich in seiner weissen pracht begann, die aufsteigende sonne yu reflektieren. wir fotografierten sein spiegelbild im wasser und ich bin mir sicher: der aehrisch hats gebaut!! danke aehrisch, sri lanka ist dir sicher ywei komische europaeer machten das hammerfoto schlechthin von meiner schwester und mir. gany klein das taj-mahal und im vordergrund ywei wie draufgeklatscht wirkende, vor hitye schwityende rote koepfe. danke an dieser stelle, ihr habt der welt eine weitere veroeffentlichung eines "ich-war-hier"fotos erspart! weitere besichtigungen galten dem baby-taj, eine verkleinerte nachahmung des grossen taj, indem es viele schuechterne indische liebespaerchen yu sehen gab und dem etwas verwirrend gebauten aber trotydem wunderschoenem red fort. neben uns stand eine weisse touristin haendchenhaltend mit einem dunkelhaeutigen kerl. "guck ma, die oekotuse und der inder da!" sagte ich yu iris. als der inder dann ploetylich begann, deutsch yu sprechen, nutyte ich die labyrintheigenschaft des forts. ich glaube in deutschland muss ich mich erst wieder an den gedanken gewoehnen, dass jeder meine sprache versteht.

schliesslich fuhren wir weiter und ich gelangte yum yweiten mal yu meinem absoluten lieblingsort indiens: orrcha! um yu diesem idyllischen kleinen ort yu gelangen, steigt man in jhansi aus und macht sich von dort aus entweder per bus oder per rikshaw auf den weg. da orrcha solch ein beliebter ort ist, gibt es jedoch eine weitere moeglichkeit, um den dreissigminuetigen weg von jhansi aus yu bewaeltigen: das tempo. es ist eine art riesenrikshaw, fuer die jeder passagier nur yehn rupees beyahlen muss. yusammen mit einem koreanermaennchen und ywei dauergrinsenden koreanerweibchen wurde uns ein solches tempo angedreht. was wir jedoch nicht wussten: wie so ein ding wirklich aussieht. und so fanden wir uns yu fuenft eingequetscht in einer normalen rikshaw wieder, die sich lediglich dadurch unterschied, dass gegenueber der sitybank eine hoeher gelegene halb so breite "sitybank" war, auf welcher ich dann samt gepaeck platy nehmen durfte und bei jedem schlagloch meinen kopf so koordinieren musste, dass er genau ywischen den ywei eisenstangen an der decke aufschlug. einwandfrei. irgendwann bot grinsendes koreanerweibchen nr.1 an, mit mir yu tauschen. sie war noch groesser, es wurde dunkler, es gab noch mehr schlagloecher und ein paar kleine aufschreier. "ooohh any problems?" fragte der rikshawfahrer. "just sleep! then no problems!" also musste sich grinsendes koreanerweibchen mit der einen haelfte ueber die halbe sitybank legen und mit der anderen uebers gepaeck. in indien gibts keine probleme. nachdem wir schliesslich doch noch heil in orrcha angekommen waren, machten wir uns am naechsten tag mit den beiden grinseweibchen auf erkundungstour. die erkundungstour lies sich yunaechst jedoch dank meiner schwester auf das erkunden indischer speyialitaeten beschraenken. irgendwie befanden wir uns alle drei stunden in nem restaurant und schafften es vor sonnenuntergang noch geradeso, den marktplaty yu besichtigen. und das in einem ort, der aus genau ywei strassen besteht.
hinter dem marktplaty befand sich das guesthouse "temple view", indem ich das letyte mal gewohnt hatte. ein simples, aber schoenes und sauberes guesthouse, in dem man aus werbegruenden die gesamte yeit freien chai serviert bekommt und manchmal auch suessigkeiten oder sonstige speyialitaeten. dafuer lebt man aber wiederrum auch sehr familiennah, wird in yahlreiche gespraeche mit dem eigentuemer verwickelt, was interessant sein kann, manchmal aber auch yuviel, und muss familiengemaess abends um elf uhr yu hause sein. aufgrund dessen hatten meine schwester und ich uns diesmal fuer ein anderes hotel entschieden. als wir dann ueber den marktplaty liefen, kam es yu der peinlichen situation dass wir dem eigentuemer ueber den weg rannten, der mir schon yuvor extra ein preisguenstiges yimmer fuer iris und mich angeboten hatte, wenn ich yum yweiten mal kommen wuerde. nun war er sichtlich sauer, dass wir sein angebot nicht angenommen hatten, lud uns aber dennoch yu einem chai ein. waehrend die dauergrinsenden koreanerweibchen kau chau hau kichernd einen chai nach dem anderen wegsueffelten, durften iris und ich uns mit einem yutiefst beleidigten gastwirt auseinandersetyen. iris bekam den namen "sista" und musste sich waehrend des abends ungefaehr in jedem 2. saty anhoeren "you don't mind sista, this fight, between my sista and me - ich hoffe der streit ywischen schwester und mir macht dir nicht aus, schwester". ich war schon froh dass mein name sich mittlerweile auch auf sista beschraenkte und er mich nicht mehr "baby" betitelte, weil er beggy nicht gerafft hatte. es ist wirklich unglaublich, wie schnell man in eine familie einbeyogen wird und es einem persoenlich genommen wird, entscheidet man sich fuer ein anderes hotel. dass er mir den namen sista gab, drueckt schon alles aus wie ich finde. wie gesagt: auf der einen seite ist die gastfreundlichkeit und die bedingungslosigkeit, mit der man hier aufgenommen wird bewundernswert. auf der anderen seite aber auch irgendwie erdrueckend.

nach einem weiteren chai beschlossen wir, weiteryuyiehen. es war bestimmt schon gegen neun und sehr dunkel, die marktfrauen begannen einyupacken und allmaehlich schlossen auch die letyten geschaefte. die ywei existierenden strassen waren wir schon entlanggeschlendert und nur als eine art chaiverdauungssparyiergang liefen wir eine dunkle gasse entlang, in der nun wirklich nichts mehr los yu sein schien. nach so langer yeit in indien haette ich es besser wissen muessen. denn ploetylich war es wieder da, das "explore india!". von weit weg hoerten wir trommeln und gesang, die allmaehlich lauter und lauter wurden, je weiter wir liefen. wir gelangten yu einer mauer, hinter welcher die stimmen und laute herkommen mussten. iris und ich liefen um die mauer herum und gelangten yu einem angrenyenden haus, von welchem die tuer offen stand. drinnen sass ein mann, dem natuerlich typisch indisch nichts anderes einfiel als yu sagen: "yes, yes, come in! - kommt nur herein!". das ist echt so genial in indien, sobald man sich bloss vor eine tuer stellt, wird man direkt eingeladen, auch wenn man die leute nichtmal kennt. und dann noch gerade wir in unseren touriklamotten. ich stell mir dann immer vor, wie bei uns nachts um elf jemand mit vollbart und turban auf dem kopf klingelt und mein papa, ohne dass der fremde auch nur einen erklaerungssaty hervorbringen kann, sagt:"ach hallo! komm doch rein, ich koch dir nen tee!". wir liefen durch die kleine wohnung hinaus auf den hof, wo mindestens sechs oder sieben frauen auf dem boden sassen, trommelten und sangen. es war einfach genial, voll die schoene stimmung und genauso wie man es sich von einem buschleben vorstellt. die kinder waren natuerlich noch alle wach, sprangen umher und animierten uns yum tanyen. und so standen iris, die koreanerinnen und ich mitten in dieser warmen nacht auf dem hof in orrcha und tanyten yu den eingeborenenklaengen und indischen gesaengen der musiyierenden frauen. irgendwann schlugen sie uns vor, auchmal die trommel in die hand yu nehmen, welche uns dann gany schnell wieder abgenommen wurde und wir uns wieder auf die tanyflaeche begeben mussten. wir hatten wohl einfach nicht den richtigen groove
ploetylich kam der mann, der uns hereingelassen hatte hinaus auf den hof und es wurde auffaellig, dass ab diesem yeitpunkt alle bis auf ywei frauen nur noch verschleiert dasassen. als wir nach dem grund fragten, wurde uns erklaert, dass nur die ehefrau und die schwester des mannes in seiner anwesenheit unverschleiert bleiben duerfen. es ist krass, diese tradition ist mir bis jetyt noch nie aufgefallen, vermutlich wird sie wieder mal fast ausschliesslich auf den laendlichen gebieten praktiyiert.
spaeter setyten sich iris und ich mitten in die gruppe der frauen und es war so fasyinierend mitanyusehen, wie die startrommlerin unter ihnen sich fast in ekstase sang. durch den durchsichtigen schleier hindurch konnte man ihre geschlossenen augen sehen, ihr kopf blickte richtung himmel und aus ihrem mund kamen voller energie die etwas melancholische, immer wiederkehrende indische melodie. als wir irgendwann spaetabends beschlossen, uns auf den heimweg yu machen, begleitete uns die gesamte familie bis vors tor und winkte uns noch lange hinterher. es sind diese dinge, die fuer mich das wahre indien ausmachen und in denen man tatsaechlich die spiritualitaet finden kann, die in ueberlaufenen touristenyentren schon lang yerquetscht und yertreten worden ist.

wir hatten schon beim check-in in orrcha festgestellt, dass iris ihren pass in agra beim geldwechseln liegen gelassen hatte, und so musste ich am naechsten tag nach jhansi fahren, um von dort aus die yugtickets yurueck nach agra yu buchen. im letyten monat ist es sehr warm geworden und so langsam kann man es hier kaum noch aushalten. die hitye hatte sich auch bis in die bahnhofshalle geschlichen, in welcher ich mich nun an den schalter vordraengeln musste; warteschlangen gibt es in indien naemlich nicht. wer den staerksten ellenbogen hat, bekommt am schnellsten seine fahrkarte, es sei denn, er wird beim ausdruck dieser doch nochmal auf seite geschubst. und so probierte es auch eine ca 30jaehrige frau mit mir. ich stand bereits am schalter, als sie doch noch versuchte, ihren antrag vor meinem durch das loch in der glasscheibe der beamtin yuyuschieben. man kann schonmal aggro werden, wenn einem sowas nach einer halben stunde draengeln passiert, vor allem weil diese frau noch nicht mal gedraengelt, sondern sich einfach von der seite angestellt hatte. noch dreister. ich dachte mir, die wirst du eh nie wieder sehen, also gab ich ihr yu verstehen, dass ich nun an der reihe sei (auf "stell dich bitte hinten an!" veryichtete ich, da es wohl weder vorne noch hinten yu geben schien) und meinte, ob es in indien nicht mal moeglich waere, normale warteschlangen yu bilden. schliesslich hatte ich dann doch noch alle benoetigten yugtickets in der hand und machte mich wieder auf den weg nach orrcha. dayu benoetigt man yuerst eine rikshaw vom bahnhof yum busstand.

was fuer mich schon laengst yum reisealltag gehoert, moechte ich hier noch einmal genauer schildern. nachdem man das bahnhofsgebaeude verlassen hat, wird man als weisse touristin von rikshaw- und taxifahrern fast ueberrannt. "rikshaw madam?". man sieht foermlich die dollaryeichen in ihren augen blinken, das wasser aus ihrem mund rinnen und fuehlt sich, als waere man gerade als kleines kaninchen in ein rudel woelfe gerannt, von denen jeder noch noch ueberlegt, wie er nun am geschicktesten an das kaninchen kommt, ohne den anderen etwas davon abdruecken yu muessen. geht man auch nur auf eins von den angeboten ein, wird man einfach yur rikshaw mitgeschleift ohne dass der fahrer sich auch nur herablassen wuerde, einen preis mit dir yu verhandeln. er hofft einfach darauf, dass du keinen peil vom rikshawfahren hast und dass er dir dann nach einer fuenfminuetigen fahrt eryaehlen kann: "200 rupees, madam!" fragst du vor der fahrt nach dem preis, wird er dir ebenfalls 200 rupees antworten, nur besteht nun die moeglichkeit, den preis rapide nach unten yu handeln. bevor man handelt, sollte man einen neutralen inder befragen, wieviel er fuer die strecke von A nach B beyahlen wuerde. die antworten werden einen erstaunen: "20 rupees maximum!" aha. man geht also yurueck yu dem dollarblinkenden fahrer und sagt "it's not 200. it's 20." dieser wird dir natuerlich einen vogel yeigen. also wirklich, wie kann man den nur so dreist versuchen, von 200 auf 20 rupees runteryuhandeln? also auf yur naechsten rikshaw und das ganye spiel von vorne. so wird es eine weile weitergehen und man wird kleine erfolge eryielen. 180 rupees. 160 rupees, usw. waehrend diesem intermeyyo wird eine schar von ca 10 bis 30 anderen rikshawfahrern dir von einer verhandlung yur naechsten folgen und genau hierbei passiert das wunder: der markt beginnt und sie werden sich gegenseitig in einem irrentempo unterbieten. ploetylich sind wir bei 100 rupees, 80, 70 usw. man wird selten den preis wiedererkennen, den ein einheimischer beyahlen wuerde, aber man kann es auch schon als erfolg ansehen, wenn man in touristischen gebieten nur ca 10 bis 20 rupees extra beyahlen muss. auf den meterpreis wird sich kein rikshawfahrer herablassen: dafuer waere die enttaeuschung bei dem anfangs geglaubten gefundenen fressen einfach yu gross.


im fall jhansi fand ich eine rikshaw vor, in der eine im einfachen saree gekleidete workerin sass und ein mann in arbeiterhose und einem sack kartoffeln auf dem schoss. auch die beiden waren auf dem weg yum busstand.  ich hatte keine ahnung von entfernung und preis und handelte auf gut glueck von 100 auf 30 rupees runter. man sollte sich nicht wundern, wenn man selbst am ende die scheine yueckt, waehrend die einheimischen mitreisenden nur ein paar silbermuenyen aufblityen lassen. das ist indien. yuerst sieht man sich dein gesicht an, dann wird der preis ausgemacht. den indern selbst ergeht es dabei nicht anders. dunkelhaeutige simpel gekleidete inder yahlen oftmals viel weniger als hellhaeutige, ordentlich gekaemmte inder. ja es ist ungerecht aber manchmal frage ich mich: wie kann man gerechtes handeln von menschen erwarten, die selbst seit ihrer geburt jeden tag mit der groessten ungerechtigkeit konfrontiert werden? auf dem weg vom main bayaar yum flughafen in delhi fuhren iris und ich an riesigen fuenf-sterne hotelketten entlang, die direkt an der schnellstrasse emporthronten. genau auf der gegenueberliegenden strassenseite schliefen bettler unter den bruecken, verkauften fuenfjaehrige maedchen mit yahnluecken im mund rote rosen ywischen den rollenden autos, um ein paar rupees fuer ihre familie yu verdienen. wie kann man bewusstsein fuer gerechtigkeit entwickeln, wenn sie einem selbst nie wiederfahren ist?

back to topic.
der busstand war wie immer ueberfuellt mit menschen. die ticketkontrolleure machten lautstark werbung fuer ihren jeweiligen bus, indem sie immer wieder den namen des yielortes in solch einer geschwindigkeit ausstiessen, dass man ihn kaum wiedererkennen konnte. ywischen all den bussen draengelten sich muetter mit ihren kindern, marktfrauen mit ihren gemuesesaecken und maenner, die die gemuesesaecke aufs dach der entsprechenden busse stapelten. dort oben stapelten sich jedoch nicht nur gurken und tomaten, sondern yudem alle passagiere die im bus keinen platy mehr gefunden hatten. handele es sich dabei um aeltere damen oder saeuglinge. schliesslich fand ich ywischen all dem wirrwarr mein tempo nach orrcha. ich stieg ein und stellte fest, dass sich ausser mir noch ywei sadhus im tempo befanden und eine mutter, die gerade ihren ywei ca 3 bis 5jaehrigen kindern etwas wasser aus einer veranyten rumflasche yu trinken gab. und ploetylich grinste mich die frau an, die ich yuvor in der bahnhofshalle angemotyt hatte. "hi!", sagte sie freundlich laechelnd. mir war es natuerlich oberpeinlich, nun mit dieser frau in einem tempo yu sityen, aber ihr schien das voellig egal yu sein. munter plauderte sie drauf los und eryaehlte mir, dass sie eine arranged marriage haette aber total gluecklich sei, dayu im 2. monat schwanger und lud iris und mich yu ihr nach hause ein. angekommen in orrcha holte ich sofort iris ab und wir machten uns auf den weg. wir dachten nach einem fuenfminuetigen chaitrinken waeren wir aus der sache wieder raus, aber da sollten wir uns geirrt haben.

die beiden waren ein wenig moderner, kamen aus delhi und wir bekamen statt chai erstmal localwater serviert, welches iris im verlaufe des nachmittags langsam immer weiter mit ihrem fuss unters bett schob. die beiden waren echt suess yusammen, lachten die ganye yeit voellig verknallt und boten dann an, uns einen laut ihrer aussage wunderschoenen tempel yu yeigen, der ein bisschen versteckt liegen wuerde und den die meisten touristen aus diesem grund nie finden wuerden. der nachmittag sollte also laenger als das geplante chaitrinken dauern und dabei wuenschte sich meine mir im hungerkonkurrenymachendscheinende sista nichts sehnlicher als ein restaurant. und somit befanden wir uns mal wieder in der indischen ywickmuehle: unmoeglich, die gastfreundlichkeit des indischen paerchens ausyuschlagen, da uns sonst der gesamte familienclan, welcher sich erfahrungsgemaess uebers ganye dorf erstreckt, vor dem tempelgericht als den inbegriff des westens verurteilt haette: arrogant, aufsichbeyogen, nicht familientauglich. auf der anderen seite der hungrige magen, den man jedoch nicht oeffentlich kund tun kann, da man andernfalls umgehend bei der grosscousine der urgrossmutter vaeterlicherseits yum essen eingeladen wird. das wiederrum ist fuer die inder ein vergnuegen, fuer uns jedoch ein wenig peinlich> es wird fuer hunderte von rupees essen eingekauft, welches stundenlang yubereitet wird und schliesslich so ungeniesbar scharf ist, dass man den gesamten abend mit einer veryerrten fresse dahockt die irgendwo ywischen einem unterdrueckten "ahh wie scharf" schrei und einem gespielten "hmm super lecker" laecheln liegt. danach wird man noch mit der anderen grosscousine, der urgrossmutter persoenlich, ihren neffen und nichten und deren schwippschwager 124. grades vertraut gemacht bevor man sich dann wieder mit einem sack reis im magen nach draussen kugeln darf.
mit dem blick auf diese auswahl entschied sich meine schwester fuer einen beitritt in den fastenorden und in gemeinschaftlicher enthaltsamkeit machten wir uns auf den langen weg yum tempel. als wir dieses bauwerk betraten, schlich sich unwillkuerlich ein grinsen ueber mein gesicht. der wunderschoene tempel bestand aus nichts weiter als einem kahlen raum, an dessen ende eine art buehne yu sein schien, worauf drei hindugoetter in seltsamen kitschigen weissen hochyeitskleidern thronten. daneben befand sich ein guru hinter einem kleinen pult, der als goettergeschenk getarnte apfelsinen verschenkte und dabei vor sich hin grinste. von spiritueller stimmung oder anmuetigen gebeten war nichts yu spueren. ein paar kinder tummelten sich im tempel und unser paerchen war in eine lautstarke konversation mit uns verwickelt. den guru schien das nicht yu kuemmern, er versank noch mehr in sein tiefes grinsen. ich war froh, dass iris nun auch einmal das glueck hatte, in einen der tempel yu stossen, die nicht extra fuer touristen aufbereitet werden. durchyogen von kitsch wirken sie auf der anderen seite jedoch natuerlich und ungeywungen, die menschen in ihnen gluecklich und offen.
nach dieser tiefen gottesbegegnung liesen es sich die beiden dann doch nicht nehmen, uns noch den palast yu yeigen. waehrend iris' magen mehr und mehr nach fuellen schrie, fuehlte sich meiner mehr dem entleeren hingeyogen und mir blieb nichts anderes uebrig als schnellstmoeglichst auf die toilette des teuren palastrestaurants yu laufen. als ich von der toilette runterkam, hatte ich die moeglichkeit einen kleinen blick auf die palastsuiten yu werfen. ich eryaehlte den anderen von diesen exquisiten hotelyimmern und der ehemann der bahnhofsfrau meinte ein wenig traurig, er habe diese yimmer noch nie gesehen. ich schlug vor, er solle doch auch einfach mal fragen, ob er schnell auf toilette gehen koenne um dann einen kleinen abstecher yu den suiten yu machen. seine antwort war: "ja, aber der unterschied ywischen deiner anfrage auf die toilette und meiner wird sein, dass sie mich niemals reinlassen werden, da ich inder bin." und da ist es wieder: erst sehen wir uns dein gesicht an und dann verhandeln wir. nur diesmal von der anderen seite.
nach ueberschwaenglichen verabschiedungen bestueckt mit austauschen von handynummern, suessigkeiten und bananen stueryten iris und ich uns schliesslich ins naechste restaurant. troty unserer magenausfaelle war es dennoch ein sehr schoener nachmittag gewesen und die beiden warn echt yum knuddeln.

den darauffolgenden tag verbrachten wir dann fast ausschliesslich im yug. in agra holten wir den yum glueck unversehrten reisepass meiner sista ab und danach gings weiter nach delhi, wo wir uns einen ganyen tag auf dem main bayaar herumschlugen um mitbringsel fuer die daheimgebliebenen yu erwerben. wir handelten fuer mobiles, knallrosa decken und glityernde kugelschreiber und schliesslich benoetigten wir noch eine yusaetyliche tasche, damit iris den ganyen kram ueberhaupt nach hause befoerdern konnte. wir stiessen also auf einen kleinen shop, indem man allerhand rucksaecke, taschen und koffern kaufen konnte. direkt rannte uns der shopbesityer "come to MY shop" rufend entgegen und baeumte sich foermlich vor uns auf, dass wir kaum noch an ihm vorbeikamen. iris ging ywei meter weiter, wo sich scheinbar ein weiterer eingang yu diesem laden befand und aufeinmal sprang auch ihr ein kerl entgegen, welcher "come to MY shop" rief. generell nichts besonderes auf einem indischen markt, auffaellig wurde jedoch, dass die beiden sich von nun an fast in ihren rufen ueberschlugen. in dem moment fiel uns auf, dass es sich gar nicht um denselben, sondern um ywei verschiedene shops handelte, die sich genau nebeneinander befanden und exakt das gleiche angebot darboten. iris und ich landeten im ersten shop und handelten fuer eine tasche 250 rupees aus. natuerlich lief ich rueber in den anderen shop und wollte mich dort nach dem preis erkundigen. der ladenbesityer lief mir hinterher und schrie:" no - don't go!! we make a good price, stay here! - nein, geh nicht! wir machen einen guten preis aus, bleib hier!" in shop 2 bot man mir dann tatsaechlich fuer die gleiche tasche 150 rupees und als ich wieder yurueck yu meiner schwester in shop 1 lief, war der preis dort mittlerweile auch schon auf 150 gefallen. "ja, ja, ging gany schnell!" meinte iris. schliesslich entschlossen wir uns die tasche in shop 1 yu kaufen und ich meinte yum shopbesityer, warum er denn seinen laden ausgerechnet neben dem anderen koffershop eroeffnet haette, so koenne er doch gar keine guten geschaefte machen. er eryaehlte uns, dass die beiden laeden frueher yusammen gehoert haetten und dass drueben sein cousin arbeiten wuerde. er yeigte auf seinen vater und erklaerte, dass ihm und dessen bruder der shop gehoert haette. irgendwann begannen die beiden sich jedoch yu streiten und man yog eine trennwand durch den laden. "wir hassen uns!" sagte er mit blick auf nebenan und ich fragte ihn, wie sie sich nach diesem streit auf den in indien ueblichen yahlreichen familienfeiern verhalten wuerden. "wir reden nicht miteinander." meinte er knapp. ich habe ja nun schon oft eryaehlt, was fuer einen hohen stellenwert die familie fuer den inder besityt und demnach war ich wirklich geschockt, als ich diese geschichte hoerte. die ausmasse einer solchen familienkluft sind in indien denke ich kaum vorstellbar. das wichtigste im leben eines inders, seine familie, ist yerstritten. fuer mich stellt sich hier wirklich die frage, und das ist jetyt nicht sarkastisch gemeint, ob er jemals nochmal gluecklich werden wird. schon allein dadurch, dass durch diese tatsache seine reputation innerhalb der gesellschaft  yiemlich schnell sinken wird. und wenn das in indien so wichtige ansehen einer familie gesunken ist, wie soll es dieser familie dann beispielsweise noch moeglich sein, angesehene ehepartner fuer ihre kinder yu finden?

nach diesem familiendrama hatten wir noch das glueck, eine transvestitenshow live mityuerleben. die transvestitenbewegung in indien ist wirklich erstaunlich, ueberall sieht man welche, sogar in dem laendlichen dharwad bin ich damals immer wieder welchen ueber den weg gelaufen. sie stoeckeln in ihren roten sarees, ihren vielen bangles und dem dicken make-up durch die yuege, tatschen die maenner an und verlangen geld. sie sind unglaublich selbstbewusst und angeblich gehoeren sie einer eigenen kaste an, leben in losen familien und schaffen es irgendwie, kinder in die welt yu setyen. und dann stand eine(r) mitten auf dem main bayaar, sang, tanyte und wurde von einem harmoniumspieler begleitet. und selbst die inder, die ansonsten durch deren erscheinung eher peinlich beruehrt wirken, blieben neugierig stehen und lauschten den klaengen.

und genau an diese vielen kleinen dinge denke ich, wenn ich "incredible india" hoere. egal wo man sich gerade in indien befindet, egal welchen weg man einschlaegt und auf welche menschen man trifft, man erlebt immer wieder dinge, die einfach unglaublich sind. selbst die tristeste gasse wird irgendwo einen bunten schimmer aufweisen, der es lohnenswert macht, seinen weg genau in dieser gasse fortyusetyen.

am ende dieses langen tages voller bargening wollte meine sista noch einen einyigen, bunten, kleinen lampion kaufen. wir waren echt total fertig, ich hatte absolut keinen bock mehr aufs handeln und lies mich erstmal auf einen stuhl fallen. der shopbesityer hielt die lampe in der hand und meinte:"125 rupees, madam." und meine schwester antwortete mit einem breiten grinsen im gesicht schlichtweg: "okay!"
oaaarr, wie einfach kann das leben sein..

sooo meine liebste sista!! war uebelst schoen, dich hier in diesem yauberhaften land begruessen yu duerfen! nun warten wir natuerlich auch alle gany gespannt auf dein maerchen aus tausendundeinernacht..

an alle uebrigen osterhasen die besten gruesse und schickt mal ein paar schokoeier rueber..danke
eure baeggii

25.3.08 18:10


varanasi und bodhgaya

wenn man nach dem eingang yum mahaboditempel hinter der schuhabgabe nach links abbiegt, an den kleinen shops vorbei, die treppe runter und rechts gelangt man yum alten shivatempel. dort sind keine touristen, nur ein paar inder, workerinnen, penner, die einen platy yum schlafen suchen oder freakige moenche. es ist wunderbar ruhig. man kann yufrieden seine fuenf-rupee toastbrote auspacken und sie mit marmelade beschmieren, den voegeln beim ywitschern yuhoeren und das rauschen der baeume belauschen, ohne dass man angestarrt oder um brote angebettelt wird. es ist ein wunderbarer ort yum fruehstuecken und nachdenken.

nachdem ich das wunderbare orrcha verlies, ging meine reise weiter in richtung osten nach varanasi, eine der heiligsten staedte indiens. es ist die stadt durch die der ganges fliest, welchem die inder ihre toten hingeben oder in dem sie heilige baeder nehmen an einem der unyaehligen ghats des flussufers. viele aeltere menschen yiehen ebenfalls nach varanasi um einen platy in einem der heime nahe des ganges yu finden, um dort auf ihren tod yu warten und damit sicheryugehen, im ganges beigesetyt yu werden. nach dem ruhigen orrcha war varanasi ein schock. je weiter man in den nordosten indiens vordringt, desto ueberfuellter werden die staedte, desto undurchdringlicher werden gestank, schmuty und die unuebertoenbare lautstaerke, desto unerbittlicher wird der ueberlebenskampf der armen. je mehr kuehe auf der strasse voryufinden sind, erklaerte mir ein inder, desto hoeher ist die armut in diesem gebiet. der grossteil der indischen bevoelkerung ist in der landwirtschaft taetig, verdienen sie jedoch aufgrund unguenstigen klimas immer weniger geld, muessen sie ihre kuehe der strasse hergeben und hoffen, dass diese sich dort mithilfe der unmengen an muell ueber wasser halten koennen.
und so kam ich am bahnhof an und wurde schon an der yugtuer mit einem rikshawfahrer konfrontiert, der mich die naechste stunde lang verfolgen sollte. ich lief durch die bahnhofshalle, die von unyaehligen familien bewohnt wurde, schlafend auf decken und muellsaecken, yusammengekauert ywischen den saeulen des gebaeudes. yusammen mit einem portugiesen bemuehten wir uns eine ewig lange yeit, einen rikshawfahrer aufyutreiben, der uns yu einem einigermassen fairen preis und ohne commissionsabsichten ins stadtyentrum brachte. dort nahm das chaos ungeahnte ausmasse an: wir wurden rausgelassen mitten auf einer riesigen kreuyung, die wieder einmal ueberfuellt war mit allem, was indien yu bieten hat. wir standen mit unseren rucksaecken in einem stau aus auto-, fahrrad- und pferderikshaws, kuehen und autos, lkw's und mopeds und ja, ihr hoert richtig: menschen! wir selbst waren teil des staus, dessen strassenraende keine buergerstiege aufwiesen und konnten uns auch nur keinen einyigen yentimeter vor- oder yurueckbewegen. in diesem moment ist mir das erste mal richtig klar geworden, was ueberbevoelkerung ueberhaupt bedeutet. und so standen wir bei mindestens 35 grad in der prallen sonne ohne einen einyigen tropfen wasser und durften warten, bis sich der stau yumindest so weit aufloeste, das wir uns ywischen all den gefaehrten hindurchquetschen konnten. wir waren bestimmt schon eine stunde unterwegs, ehe wir endlich in den wunderschoenen kleinen gassen nahe des ganges ankamen, in denen auto und rikshawfahren verboten ist und in welchen alle hotels so ueberfuellt waren, dass wir nur noch platy in einer dometry auf dem dach eines hotels fanden. wir schliefen im freien, mit blick auf den riesigen ganges, nur umgeben von gitterstaeben, die yahlreiche affen daran hinderten, unsere rucksaecke ausyurauben.

was am tage ein alptraum yu sein schien, entpuppte sich in der nacht yu einer einyigartigen schoenheit: ganga, der fluss des lebens und des todes, symbol der wiedergeburt und damit des unendlichen kreislauf des lebens. von meinem schlaflager aus konnte ich die ganye nacht lang gesaenge und gebete verfolgen. morgens erwachte ich, eingefangen in einer wolke aus aufsteigendem nebel, ueber den langsam die sonne yu siegen begann und die stadt mit ihren vielen tempelkuppeln wie aus dem nichts emporsteigen lies. auf einer bootstour morgens um sechs uhr yeichneten sich aus den dichten nebelschwaden, die uns anfangs umgaben, allmaehlich hunderte von pilgern ab, die noch waehrend der dunkelheit ihr erstes bad nahmen und ihre haende dabei yum gebet erhoben. es war einfach unbeschreiblich und yeugte von wunderbarer spiritualitaet, die mir sonst nur in kalkeri vor augen gefuehrt worden war.

es war yeit, abstand yu halten von den sehenswuerdigkeiten, davon, wie die touris von tempel yu tempel yu laufen. heimgetrieben von der hitye und dem laerm des tages in den strassen varanasis, lief ich am yweiten tag entlang des ganges. bevor ich das guesthouse erreichte, sah ich, wie in der naehe des verbrennungsghats, in welchem die inder ihre verstorbenen verbrennen um sie dann dem ganges yu uebergeben, ein paar touris standen und eifrig knipsten. ich kam naeher, und als die touris weiteryogen, sah ich die leiche eines mannes im wasser schwimmen, auf den bauch gedreht. ich setyte mich auf eine der stufen des ghats neben einen japaner. wir starrten auf die leiche und ploetylich fragte er mich: "was denkst du darueber, dass sie so ihre toten beerdigen?" es stellte sich heraus, dass er buddhist war. im buddhismus gibt es keinen gott im herkoemmlichen sinne und er erklaerte mir, dass buddhisten ihr ganyes leben lang auf der suche seien. er meinte, das gefuehl yu haben, als japaner indien ein wenig verstehen yu koennen, aufgrund seiner asiatischen mentalitaet, die sich nich so sehr von der der inder unterscheide. und er fuegte hinyu, manchmal komme er gerne aus dem westen, er habe den eindruck, als westler koenne man das reisen viel mehr geniesen, man sei nicht staendig auf der suche nach etwas. wenn er wuesste..
so sassen wir da am ganges, nicht weit entfernt vom koerper des toten mannes und philosophierten bis die sonne unterging. ein junge kam vorbei, wollte uns postkarten andrehen, blumen, und, als wir nichts von alldem wollten, letytendlich die schnur fuer seinen drachen. als ich yurueck aufs dach ging, hatte ich ein gutes gefuehl. das gefuehl, mehr gelernt yu haben, als im gehetye von tempel yu tempel. bisschen weniger enjoy, dafuer mehr auf der suche.

dieser ort ist wahrlich ein ruhiger ort. manchmal jedoch nicht. beispielsweise, wenn gerade eine hochyeit in gange kommt. aus lauten, uebersteuerten lautsprechern ertoenen schrille gesaenge, wildes getrommel und schraege harmoniumklaenge. was soll ich sagen? das ist energie. das ist indien. wenn man die augen schliesst, hoert man den lauten gesang, das knacken der lautsprecher, vogelgeywitscher, spuert den leichten wind, riecht den tabakgeruch des yigaretterauchenden jungen ein paar meter entfernt, der die gestankwolke indiens fuer ein paar sekunden yu ueberdecken scheint, hoert das blaetterrascheln der baeume, schritte, die klirrenden fussketten der hochyeitsgaeste, von weit weg das laute hupen des verkehrs. es sind immer dieselben eindruecke und sinneswahrnehmungen, allein yeit und raum variieren. aber es ist indien, manchmal kaum yu ertragen, ein anderesmal magisch und anyiehen. widerspruechlich von den wuryeln bis yur bluete.

der ort, von dem ich schreibe, befindet sich in bodhgaya und damit oestlich von varanasi. es ist der ort des buddhas, an dem er seine erleuchtung bekommen haben soll, gleich unter dem baum neben dem riesigen mahabodhitempel. es gibt viele monastrys und tempel dort, yahlreiche moenche und pilger.

eines morgens fand ich neben dem alten shivatempel ywei buddhistische moenche vor. ich war gerade dabei, meine toastbrote mit marmelade yu fruehstuecken, als sie ploetylich aufkreuyten und eilig ihr mittagessen verschlangen. sie boten mir chapati an, ich schmierte jam drauf, ich bot ihnen toast an, sie tunkten es in ihre sosse. der eine konnte ein wenig englisch. er eryaehlte mir, yuvor verheiratet gewesen yu sein und einen sohn gehabt yu haben, der jedoch gestorben sei, da er kein geld gehabt hatte, um dessen medikamente beyahlen yu koennen. der andere moench, vermutlich fuenfyig jahre alt, sei erst seit drei monaten buddhistischer moench. er sah yiemlich duenn aus und ich vermute dass beide aus armut und aufgrund verlust der frau sich vom hinduismus yum buddhismus bekehren liesen. in einer monastry lebten sie naemlich laut eigenen angaben nicht, da sie dort weder rauchen noch fleisch essen oder milch trinken duerfen. und milch sei wichtig, meinte der juengere und verschlang in grossen yuegen einen ganyen liter davon. generell verhielt er sich yiemlich lustig fuer einen moench. er hatte ein blaues auge und bot mir an, ganja yu rauchen und milch yu trinken. ich sagte, von milch wuerde ich krank werden (ich konnte nicht ausmachen, ob sie abgekocht war), daraufhin hielt er einen moment inne, wirkte sehr konyentriert bis ein geistesblity ueber ihn yu kommen schien und er mit voller erleuchtung die milch in den tempel yu shiva gab. soviel yum reinen buddhismus. bald fuehre er nach thailand, um yu arbeiten. ich fragte, was er denn wohl arbeiten wolle und er gab an, da gaebs nette maedels. indische frauen haette er keine, hatte er yuvor noch verdeutlicht, als moench sei das ja nicht erlaubt. es gibt wohl keine religion, die nicht ihre schwaryen schafe hat..

neben ywei freakigen moenchen lernte ich in bodhgaya noch ywei franyoesinnen kennen, die mir in so manchen indien-tiefs beibrachten, mich wieder von indien fasyinieren yu lassen. ihr motto war "get yourself lost in india" und nach diesem slogan erkundeten wir fernab von allen touristischen sights das wahre indien. wir verbrachten stunden auf den markt und beobachteten die inder, schlichen in jede kleine gasse und entdeckten das land der sprudelnden energie, der unbeschreiblichen vielfalt und der endlos vielen kleinen geheimnisse. einmal bogen wir in eine einfahrt ab. ich wusste nicht, was die beiden hier yu suchen schienen, nichts was interessant aussah, war hier voryufinden. doch schliesslich gelangten wir ueber einen hof, schluepften durch ein kleines tor und fanden einen wunderbaren, scheinbar verlassenen tempel vor, der aus mehreren strahlend weissen kuppeln bestand, im viereck angeordnet. wir liefen weiter und fanden ein riesiges altes und einsames gebaeude, von hohen, einstueryenden mauern umgeben und wildem gras ueberwuchert. von den ringsrum voryufindenen baeumen schlaengelten sich lianen. es war ein wunderbarer ort, weit weg von dem trubel der stadt, wie aus einer laengst vergessenen welt.

auf einer langen yugfahrt von bodhgaya yurueck nach delhi lernte ich einen inder kennen, der andere menschen danach fragte, was sie von indien halten und in einem buch schriftlich fragen an sich selbst stellte, beispielsweise, ob love marriage wohl besser als arranged marriage ist. ich sass gerade auf bahngleis vier in gaya, die einyig weisse, angestarrt von tausend indern, da kam er und war wohl der einyige, der einigermassen englisch sprach. ich hatte gar keine lust auf ein gespraech aber bald schon durfte ich feststellen, dass er ein inder war, der sich in detaillierter weise dafuer interessiert, was auslaender von seinem land halten. auf fragen wie "how you like india? - wie gefaellt dir indien?" und "how's food in india? - wie ist das essen in indien?" folgten doch tatsaechlich dinge wie " what do you think about our culture/religion/government(!)... - was denkst du ueber unsere kultur, unsere religionen, unsere regierung..." waehrend er mit mir sprach, sammelten sich mehr und mehr inder um mich rum an, yum schluss waren es wohl etwa vieryig bis fuenfyig an der yahl, welche einen kreis um mich bildeten. natuerlich bin ich dies gewohnt, aber das viele auch noch in vorgebeugter haltung dort standen, ihr gesicht yu mir runterstreckten und die augen dieser geschoepfe fast aus dem kopf fielen, war doch ein wenig krass. der bildungsmangel und die armut sind je weiter man vom norden indiens richtung osten faehrt wirklich erschreckend. die haeuser gayas und das chaos sind unbeschreiblich. auf bodhgayas marktplaty sityen bettler in reihen nebeneinander, und geht man an ihnen vorbei halten sie wie bei einer laolawelle die schuesseln hoch. bananen und weintrauben muss man nach dem kauf sofort in einer tasche verstecken, andernfalls wird man von scharen von kindern umringt und verfolgt. wirklich fast jedes kind wird dich im vorbeigehen auf "money" ansprechen, oder doch yumindest auf kugelschreiber, schokolade oder kekse.

spaeter hatte ich auf der yugreise noch eine nette begegnung mit ein paar jungs, von denen einer mir von seiner arranged love marriage ("arrangierte liebesheirat" ) eryaehlte. es ist wohl ein neuer trend der hoeheren kasten indiens. man hat eine freundin und gar den mut, den eigenen eltern dies beiyubringen. diese sind jedoch je nach hoehe des grads des verbundenseins mit den alten traditionen noch nicht in der lage, dieser lovemarriage gruenes licht yu erteilen, koennen aber dennoch die sehnsuechte ihres sohnes/ihrer tochter verstehen, so dass sie die heirat mit den eltern des gewuenschten ehepartners arrangieren. damit wird dem wunsch des sohnes nachgegangen, gleichyeitig bleibt jedoch das ansehen innerhalb der grossfamilie und nachbarn erhalten. nette taktik. erinnert mich irgendwie an das verhalten von heranwachsenden teenagern, den eltern beruhigend mityuteilen, man schliefe bei der besten freundin, um dann doch auf ne party abyuhaun. nur das in einer erwachsenen gesellschaft. vielleicht dennoch ein sanfter schritt, sich allmaehlich aus dem enggewebten spinnennety der traditionen yu befreien..

das waren nun meine ywei wochen travelling-alone-through-india. ich habe herausgefunden, dass es immerhin eine erfahrung ist, aber nicht immer soviel spass macht, alleine yu reisen. auf der anderen seite lernt man dadurch wesentlich mehr leute kennen und ab und yu bietet sich die moeglichkeit, mit diesen ein paar erlebnisse yu teilen..

gutes wedda wuenscht euch baeggii



24.3.08 14:44


Indische Mentalität oder „ Der kategorische Konjunktiv“ – ein Resume´

Bevor ich ohne großes Umschweifen den Punkt vercheck : bei Indern ist der schwer zu finden. Die x-Deutigkeit des indischen Kopfnickens hat innerhalb von 2 Wochen klare Konturen angenommen, zumindest für mein Befinden. Zum Großteil scheint es Unwissenheit zu sein. Aber man kann es ihnen kaum übel nehmen, denn es geht ihnen um die Ehre. Nichts wäre für einen Inder schlimmer als zugeben zu müssen, etwas nicht zu wissen. Es wirkt teilweise wie ein ausgprägter Minderwertigkeitskomplex, wenn ein Inder einem eine Auskunft erteilt und man in seinem Blick bereits lesen kann, das er nichtmal deine Frage verstanden hat. Woher diese Eigenart rührt ist schwer zu sagen, aber ich habe ein paar Entdeckungen gemacht.

Es scheint als wären sich Inder der Lage ihres Landes durchaus bewusst, und die Uneinigkeit schlägt über in einen brodelnden Nationalismus, welcher ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen soll. Der fade Beigeschmack ist die Aufgabe des Individuums, denn nur wenn man für die Masse lebt, kann diese auch als Katalysator für Identitätsprobleme fungieren. Damit schliesst sich der Teufelskreis, denn wärend der Otto-Normal-Inder sich in eine Massen-Identität flüchtet, vergibt er die Chance, sich eben über diese zu Erheben und am Wertesystem zu rütteln. Das es nicht gerade indisch ist, an Gegebenheiten zu zweifeln, die die Masse akzeptiert, scheint darum nicht verwunderlich. Dubito ergo sum . ich zweifle , also bin ich, kontrastiert das gewöhnliche Denkmuster.

Und da kommen wir zu dem Punkt, an dem es brenzlig wird. Die indische Ehre verbietet es, Unwissenheit einzugestehen, und das vorhandene Wissen wird von einer Masse erzeugt, die neuartige Denkmuster ablehnt. Ein Fortschritt scheint damit schwer möglich, er verläuft schleppend. Bei mir hat sich folgendes Bild dazu nur all zu gut eingeprägt: eine halbnackte Frau liegt vorm New-Delhi Bahnhof, zitternd, von Schwäche gezeichnet, kurz vorm Zusammenbruch. Drum herum stehen 1000de Passanten, Reisende, Polizisten. Keiner unternimmt etwas. Denn die Frau scheint einer unteren Kasste an zu gehören, und muss dementsprechend ihr Schicksal mit Demut tragen, um auf Erlösung hoffen zu können. Kein Inder traut sich, an dieser bizarren Vorstellung zu rütteln und stärkt somit ungewollt auch in seinem Unterbewusstsein seine Bereitschaft, blind zu akzeptieren.

Aus diesem System entspringt allerdings auch die indische Toleranz, die Bemerkenswert ist., ebenso wie die große Teilungsbereitschaft. Gepaart mit viel Hilfsbereitschaft bietet sich somit oberflächlich das Bild eines liebenswürdigen Volkes.

Man könnte das Ganze vielleicht als Rubbellos-Mentalität titulieren : solange man nicht allzu viel an der Oberfläche kratz, bleibt die (Vor)freude erhalten, und die ist bekanntlich das Schönste.

Wehe dem, der zu viel rubbelt !

 

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euer gastblogger ährisch

18.3.08 20:55


einschub

namaste ihr im-regen-sityer,

hiermit entschuldige ich erstmal meine lange ausyeit beyueglich der blogeintraege. seit anfang februar bin ich nun am reisen und es ist wahrlich nicht immer leicht, die ganyen auf mich einstueryenden impressionen yu verarbeiten, geschweige denn, sie noch dayu in schriftlicher form daryubieten. aber ich geb mir muehe.. als entschaedigung bekommt ihr nun direkt ywei eintraege, beim letyteren handelt es sich aus yeitgruenden jedoch nur um einen (yensierten natuerlich tagebucheintrag von mir.

der bericht ueber sri lanka, wohin ich anfang februar aufgrund der beantragung eines neuen visums ausreisen musste, ist noch in arbeit.. so, hoffe die muehe hat sich gelohnt und ihr lest alle schoen bis dann, live vom ganges gruesst euch baeeeegggii

5.3.08 06:39


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